Halitosis-Patienten

Barometer Verlag
Susanne Lauterbach, Lisa Lauterbach

So lernen Sie den richtigen Umgang mit dem sensiblen Thema!

In unserer neuen Leserserie möchten wir euch das Thema Halitosis und das Behandlungs-Konzept einer Mundgeruch-Sprechstunde als Ergänzung eurer Prophylaxe näherbringen. Susanne Lauterbach betreut seit über 15 Jahren Patienten in Köln und Neuwied und ihr Ziel ist es, das Tabuthema mehr publik zu machen und Praxen davon zu überzeugen, die Mundgeruch-Sprechstunde als elementaren Bestandteil ihres Praxisangebots zu sehen. Im vorliegenden Teil 2 geht es um die professionelle Ansprache von Halitosis-Patienten als wichtigen Teil des Behandlungserfolges.

Ungestörte DiagnosebesprechungJeder von uns kennt das Gefühl, sich mit unangenehmen Themen auseinander setzen zu müssen. Oft fragen wir unsere engen Freunde oder die Familie um Rat, um uns zu den Begebenheiten auszutauschen und nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen.

Doch vor allem Halitosis-Patienten stellt das Thema „verbale Kommunikation“ oft vor große Herausforderungen. Wenn wir einen Menschen direkt ansprechen oder ihm nahekommen, gehen wir davon aus, dass unser Atem als angenehm oder zumindest als nicht störend empfunden wird. Menschen die unter Mundgeruch leiden, können selbst nicht einschätzen, wie stark oder schwach ihr schlechter Atem im jeweiligen Moment wahrgenommen wird. Die Intensität schwankt im Tagesverlauf und verbessert sich zum Beispiel oft direkt nach der Nahrungsaufnahme und verschlechtert sich, je länger die Aufnahme von Nahrung oder Getränken zurückliegt. Bei der Nahrungsaufnahme wird der dorsale Bereich, der Bereich den wir bei einer Reinigung kaum erreichen, durch die Aufnahme von Lebensmitteln gereinigt.

Es gibt jedoch auch unterschiedliche Schweregrade der Halitosis, die sowohl bei organoleptischen als auch instrumentellen Messungen bestimmt werden können. Doch dazu mehr in einer der nächsten Ausgaben. Stellen wir uns nun vor, dass dem Patienten sein Leiden bereits bewusst ist und er nicht gerne offen hierzu kommunizieren möchte. Dabei kann bereits eine nicht ausreichend gut gebriefte Rezeption oder anderes Fachpersonal, das vorher keine Berührungspunkte mit dem Thema Halitosis hatte, hinderlich sein. Ermöglichen Sie dem Patienten einen leichten und ungezwungenen Einstieg zur Kontaktaufnahme und Kommunikation. Dies kann sowohl über eine eigenständige Webseite oder E-Mail Adresse für die Mundgeruch-Sprechstunde möglich sein, als auch über eine Chiffre, bei dem er gar nicht offen das Thema Mundgeruch ansprechen muss.

Eine Praxis, die wir in der Vergangenheit betreut haben, hatte zum Beispiel eine Frische-Atem-Sprechstunde eingerichtet. Eine andere Praxis schaltete kleine Anzeigen im Lokalanzeiger, sodass sich der Neupatient nicht zu dem Thema Mundgeruch äußern musste, sondern einfach auf die Anzeige hinweisen konnte, die gezielt zu diesem Thema geschaltet wurde.

Die Ansprache in der Praxis ist im nächsten Schritt ebenfalls elementar wichtig und trägt zum Erfolg oder Misserfolg der Behandlung bei:

  • Zeigen Sie dem Neupatienten die Praxisräume.
  • Weisen Sie ihn darauf hin, dass Sie während der Diagnosebesprechung und Behandlung ungestört bleiben (Schild am Zimmer: Nicht eintreten).
  • Agieren Sie empathisch und geben Sie dem Patienten die Chance, Sie ein wenig kennenzulernen.
  • Bleiben Sie während dem Gespräch ruhig und gehen gezielt auf die Sorgen und Anmerkungen des Patienten ein (spiegeln Sie zum Beispiel seine Bewegungen und zeigen aktiv auf, dass Sie seinen Ausführungen folgen).
  • Lassen Sie ihn an Erfolgsgeschichten anderer Patienten teilhaben. Viele Halitosis-Patienten stellen sich nach ihrer Heilung gerne als Erfolgsbeispiele zur Verfügung.
  • Begrüßen und verabschieden Sie in freundlich und herzlich und lassen keine Störungen während der Behandlung zu.

Zu guter Letzt gilt es zu verstehen, dass der Erfolg einer Halitosis-Sprechstunde nicht allein von einer Fachkraft abhängt. Das ganze Praxisteam sollte ebenfalls mit den wichtigsten Punkten im Umgang mit Halitosis-Patienten vertraut sein.

Fazit

Viele der Patienten werden zum ersten Mal eure Praxis aufsuchen und müssen, oft nach einer langjährigen Odyssee an Behandlungs-Misserfolgen, Vertrauen aufbauen. Somit bietet sich für die Praxis die große Chance, den Patienten nicht nur für die Halitosis-Sprechstunde, sondern auch für alle weiteren Behandlungen zu binden. Daraus ergeben sich nicht nur zusätzliche Einnahmequellen für Bereiche außerhalb der Prophylaxe, vielmehr auch eine tolle Reputation für euch. Denn zufriedene Patienten werden euch weiterempfehlen und positive Bewertungen im
Internet hinterlassen.

Viele der Patienten die ich seit Jahren oder sogar Jahrzehnten betreue, wurden innerhalb des ersten Besuches der Praxis davon überzeugt, dass sie sich in professionelle Hände begeben – frei nach dem Motto: „Es kann nur einen ersten Eindruck geben“. Viel Erfolg und bleibt gespannt auf den nächsten Beitrag.

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