
Behandlungsfehler passieren und deren Folgen sind teuer. 31 Milliarden Euro. In dieser Größenordnung könnten Schätzungen zufolge die Kosten liegen, die durch vermeidbare Schäden in der medizinischen Versorgung entstehen. Zum Vergleich: Für die gesamte zahnärztliche Versorgung einschließlich Zahnersatz gab die GKV im Jahr 2025 rund 19,1 Milliarden Euro aus. Die geschätzten Folgekosten vermeidbarer Schäden wären somit mehr als eineinhalbmal so hoch wie die jährlichen GKV-Ausgaben für die zahnärztliche Versorgung.
Wie häufig Behandlungsfehler begutachtet werden
Einen Eindruck davon vermittelt die aktuelle Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes. 2025 wurden bundesweit 11.735 vermutete Behandlungsfehler begutachtet. In gut jedem vierten Fall – 3.098-mal – stellten die Gutachterinnen und Gutachter tatsächlich einen Behandlungsfehler mit Schaden fest. Doch auch diese Zahlen bilden nach Angaben des Medizinischen Dienstes nur einen kleinen Ausschnitt ab. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass es bei zwei bis vier Prozent der stationären Behandlungen zu vermeidbaren Schadensereignissen kommt. Auf Deutschland übertragen wären das 350.000 bis 700.000 Fälle pro Jahr.
Und die Zahnmedizin? Mit 1.043 Vorwürfen taucht sie in der Statistik auf und steht damit für 8,9 Prozent der begutachteten Fälle. Das klingt zunächst viel. Der Medizinische Dienst warnt jedoch ausdrücklich vor falschen Schlüssen: Aus der Zahl der Vorwürfe lässt sich nicht ableiten, wie sicher oder unsicher ein Fachgebiet ist. Auffällige oder unerwartete Behandlungsergebnisse sind für Patientinnen und Patienten in manchen Bereichen leichter zu erkennen als in anderen.
Warum hinter Fehlern auch Abläufe stecken
Ein Fehler hat selten nur eine Ursache
Patientensicherheit ist deshalb mehr als die Frage, ob jemand bei einer Behandlung einen Fehler gemacht hat. Inzwischen richtet sich der Blick stärker auf die Bedingungen, unter denen Fehler entstehen. Denn hinter einem Versäumnis kann auch ein Ablauf stecken, der nicht zuverlässig funktioniert.
Wenn Patientinnen und Patienten einen Behandlungsfehler vermuten, können sie sich an ihre Krankenkasse wenden. Diese kann den Medizinischen Dienst mit einem Sachverständigengutachten beauftragen. Dabei wird geprüft, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard und mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgt ist. Wird ein Fehler festgestellt, folgt die zweite entscheidende Frage: Hat dieser Fehler den gesundheitlichen Schaden tatsächlich verursacht? Erst wenn dieser Zusammenhang besteht, kommen Schadensersatzansprüche in Betracht.
Wie Qualitätsmanagement verlässliche Abläufe unterstützt
Jede Praxis tickt anders
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Qualitätsmanagement. Denn selbst eine erfahrene ZFA muss sich in einer neuen Praxis erst zurechtfinden. Wer macht was? Welche Abläufe haben sich eingespielt? Was wird wie dokumentiert? Eine strukturierte Einarbeitung sorgt dafür, dass aus solchen Fragen keine Unsicherheiten entstehen. Arbeitsanweisungen und dokumentierte Einweisungen helfen dabei, die Abläufe kennenzulernen und Standards im Team verlässlich umzusetzen.
Qualitätsmanagement kann aber mehr sein als nur Checklisten und Dokumentation. Auch Fehler und Beinahe-Fehler zeigen, wo ein Ablauf möglicherweise nicht zuverlässig funktioniert. Im Fehlermanagement geht es deshalb nicht nur darum, einen Fehler festzuhalten, sondern auch darum, seine Ursache zu verstehen. Wiederholen sich bestimmte Probleme, kann das ein Hinweis darauf sein, dass nicht die einzelne Person, sondern der Prozess genauer betrachtet werden sollte.
Warum nicht immer Unaufmerksamkeit die Ursache ist
Denn die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Manchmal fehlen Wissen oder Erfahrung. Manchmal haben sich die Aufgaben verändert oder die Arbeitsbelastung ist gestiegen. Auch Spannungen im Team können eine Rolle spielen. Auffällig ist beispielsweise, wenn einer erfahrenen Kollegin plötzlich Fehler unterlaufen, die vorher kein Thema waren. Auch dann lohnt der Blick auf mögliche Veränderungen im Arbeitsumfeld.
Damit verändert sich auch der Blick auf Fehler. Statt ausschließlich zu fragen, wer etwas falsch gemacht hat, rückt die Frage stärker in den Mittelpunkt, warum es passieren konnte. Das bedeutet jedoch nicht, persönliche Verantwortung auszublenden. Die Ursachen eines Fehlers können ebenso in Strukturen und Arbeitsabläufen liegen.
Für Zahnarztpraxen steckt darin ein wichtiger Gedanke: Patientensicherheit entsteht nicht allein am Behandlungsstuhl. Auch das, was davor, danach und rundherum im Praxisteam passiert, spielt eine Rolle.
