Gesundheitskompetenz bei Jugendlichen in der Praxis

5. November 2026

Gesundheitskompetenz bei Jugendlichen in der Praxis

Gesundheitskompetenz bei Jugendlichen ist laut DAK-Präventionsradar 2026 bei fast neun von zehn Schulkindern der Klassen fünf bis zehn nicht ausreichend. Im Praxisalltag wird das sichtbar, wenn Jugendliche Wissen aus Videos und sozialen Netzwerken mitbringen. Der Beitrag zeigt, warum dieses Thema auch das Praxisteam betrifft.
Gesund? Gar nicht so leicht zu beantworten. Vielen Jugendlichen fällt es schwer, Gesundheitsinformationen richtig einzuordnen.

Wie viel Schlaf braucht der Körper? Welchen Gesundheitsinformationen im Internet kann man vertrauen? Und ab wann sollte man Beschwerden ernst nehmen? Was selbstverständlich klingt, ist es offenbar nicht, denn einer aktuellen Untersuchung zufolge fehlt vielen Schülerinnen und Schülern eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Das betrifft auch den Alltag in der Zahnarztpraxis.

Gesundheitskompetenz ist mehr als Grundwissen

Gesundheit gehört zum Alltag und doch ist es gar nicht so einfach, sich darin auszukennen. Das zeigt der aktuelle Präventionsradar der DAK-Gesundheit deutlich: Fast neun von zehn Schülerinnen und Schülern der Klassen fünf bis zehn verfügen demnach nicht über eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Befragt wurden mehr als 30.000 Schulkinder aus 15 Bundesländern.

Dabei bedeutet Gesundheitskompetenz weit mehr, als zu wissen, dass Bewegung gesund ist und zu viel Zucker den Zähnen schadet. Es geht um das Zusammenspiel aus Interesse und Motivation, Wissen und der Fähigkeit, Gesundheitsinformationen kritisch zu bewerten. In einer Welt, in der Informationen zu Ernährung, Fitness, Haut, Zähnen oder psychischer Gesundheit jederzeit auf dem Smartphone verfügbar sind, wird gerade der letzte Punkt immer wichtiger.

Informiert – aber wie gut?

Eine Information zu finden, bedeutet noch lange nicht, sie einordnen zu können. Ist die Quelle zuverlässig? Gilt die Aussage für jeden? Ist ein persönlicher Erfahrungsbericht dasselbe wie medizinisches Wissen? Und was steckt hinter einem vermeintlichen Gesundheitstipp?

Genau darin liegt eine Besonderheit heutiger Gesundheitskompetenz: Junge Menschen haben nicht unbedingt zu wenige Informationen. Sie müssen sich vielmehr in einer riesigen Menge unterschiedlich zuverlässiger Informationen zurechtfinden.

Das kann auch in der Zahnarztpraxis sichtbar werden. Jugendliche kommen schließlich nicht ohne Vorwissen auf den Behandlungsstuhl. Vielleicht haben sie schon Videos über Bleaching gesehen, Zahnpasta-Trends aus sozialen Netzwerken kennengelernt oder gelesen, dass bestimmte Lebensmittel besonders gesund oder ungesund sind. Was davon fachlich richtig ist, können sie nicht immer leicht beurteilen.

Wenn der eigene Körper schwer zu lesen ist

Die Untersuchung zeigt noch etwas anderes. Das Wissen über Gesundheit trifft auf eine Generation, bei der gesundheitliche Belastungen keine Seltenheit sind. 49 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen berichten von vermindertem Wohlbefinden. Fast jedes zweite Schulkind hat Schlafprobleme und mehr als zwei Drittel fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft.

Gesundheitskompetenz bedeutet deshalb auch, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen und sie einordnen zu können. Der Studienleiter Prof. Reiner Hanewinkel bezeichnet diese Fähigkeit als wichtiges Werkzeug, damit junge Menschen lernen, die Signale ihres Körpers zu verstehen.

Gesundheitskompetenz im Praxisalltag

In der Zahnarztpraxis lässt sich Gesundheitskompetenz jeden Tag beobachten. Jugendliche bringen ihr eigenes Gesundheitswissen mit – aus der Familie, aus der Schule, aber zunehmend auch aus sozialen Netzwerken. Manche Zusammenhänge sind ihnen vertraut, andere nicht. Und manches, was auf TikTok, Instagram & Co. überzeugend klingt, hält einer fachlichen Einordnung nicht stand.

Gesundheit als Schulfach

Dass Jugendliche selbst offenbar einen Bedarf sehen, gehört zu den bemerkenswertesten Ergebnissen der Befragung. Fast drei Viertel der Befragten sprechen sich für ein eigenes Schulfach Gesundheit aus, 28 Prozent finden die Idee sogar „sehr gut“.

Damit bekommt eine schon länger geführte Diskussion neue Aktualität. Denn Gesundheitswissen wird nicht nur beim Arztbesuch gebraucht. Es begleitet Entscheidungen über Ernährung und Bewegung ebenso wie den Umgang mit Beschwerden oder Gesundheitsinformationen aus dem Internet.

Das erklärt auch, warum die Gesundheitskompetenz für Praxisteams ein dauerhaftes Thema bleibt. Wer täglich mit Patientinnen und Patienten arbeitet, erlebt schließlich ganz unmittelbar, wie unterschiedlich Menschen Gesundheit verstehen und was das für den Umgang mit der eigenen Mundgesundheit bedeutet.

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Autor:in

Beata Luczkiewicz

Beata Luczkiewicz
Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.
kontakt@beata-luczkiewicz.de

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