Mehr Stunden, bessere Praxis? Warum Leistungsfähigkeit nicht am Feierabend gemessen wird

25. Februar 2026

Mehr Stunden, bessere Praxis? Warum Leistungsfähigkeit nicht am Feierabend gemessen wird

Arbeitszeiten von 13 Stunden sollen die Praxis voranbringen? Das Gegenteil ist der Fall: Müde Teams machen mehr Fehler, die Qualität leidet und Ausfälle nehmen zu. Erfahre, warum gute Dienstplanung, realistische Schichten und Teilzeitmodelle deine Praxis wirklich leistungsfähig machen.
Es kommt nicht darauf an, wie lange gearbeitet wird, sondern darauf, ob die Abläufe reibungslos funktionieren.

„Der Schutz der Gesundheit, die Wahrung fairer Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung des Engagements der Beschäftigten im Gesundheitswesen müssen oberste Priorität haben.“ Mit diesen Worten bezieht der Verband medizinischer Fachberufe e. V. in einer aktuellen Stellungnahme Position. Hintergrund sind politische Initiativen und öffentliche Debatten, in denen Begriffe wie „Lifestyle-Teilzeit“, längere Arbeitszeiten, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder Eingriffe in Überstundenregelungen auftauchen. Das sorgt für Kritik und Unruhe.

Arbeitstage bis zu 13 Stunden?

Im Praxisbetrieb zeigt sich schnell, was lange Tage mit sich bringen. Die Konzentration nimmt ab, Absprachen werden knapper und kleine Fehler schleichen sich ein. Das betrifft die Assistenz, die Anmeldung und die Behandlungsseite gleichermaßen. Niemand arbeitet mit Absicht ungenau, aber wenn man müde ist, unter Zeitdruck steht und viele Termine hat, dann ist die Gefahr größer, dass man Fehler macht. Gleichzeitig steigt der Stress, und damit auch die Wahrscheinlichkeit für Krankheitsausfälle oder kurzfristige Lücken im Dienstplan.

Die Diskussion über Arbeitstage von bis zu 13 Stunden wirkt vor diesem Hintergrund unrealistisch. In der Praxis bedeutet sie vor allem: weniger Erholung, mehr Stress und mehr Ausfälle. Langfristig können ungünstige Arbeitsbedingungen zudem den ohnehin deutlich spürbaren Fachkräftemangel verschärfen.

Gute Qualität braucht gute Arbeitszeiten

Realistische Arbeitszeiten haben viel mit Behandlungsqualität und Patientensicherheit zu tun. Wer ausgeruht arbeitet, bleibt strukturierter, kommuniziert klarer und behält auch in hektischen Phasen den Überblick. Das spüren Patientinnen und Patienten genauso wie das Team selbst. Die Stimmung ist stabiler, Übergaben laufen ruhiger und Konflikte entstehen seltener.

Im Praxisalltag entscheidet nicht die Länge des Arbeitstags über die Leistung, sondern wie reibungslos die Abläufe funktionieren. Eine übermüdete letzte Stunde bringt selten mehr als ein konzentrierter Vormittag mit klarer Struktur.

Teilzeit ist Realität und kein „Lifestyle“

Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht das: Rund 44 Prozent der Zahnmedizinischen Fachangestellten und 30 Prozent der Zahntechnikerinnen und Zahntechniker arbeiten in Teilzeit. Bei den Medizinischen Fachangestellten sind es sogar 49 Prozent. Der Hauptgrund dafür ist nicht fehlende Arbeitsbereitschaft, sondern die Notwendigkeit, Beruf, Familie und Alltag miteinander zu vereinbaren. In einem Berufsfeld, das überwiegend von Frauen geprägt wird, ist Teilzeit schlicht Arbeitsrealität.

Wer diesen Spagat täglich meistert, erbringt bereits eine enorme Leistung. Für viele ist Teilzeit keine Komfortentscheidung, sondern eine Strategie, um den Beruf langfristig überhaupt ausüben zu können und dabei gesund zu bleiben.

Wo Praxen konkret ansetzen können

Leistungsfähigkeit entsteht im Alltag weniger durch „mehr Stunden“, sondern durch bessere Organisation. Ein zentraler Hebel ist die Dienstplanung: Passen die Einsatzzeiten wirklich zum Patientenaufkommen? Gibt es Puffer für Unvorhergesehenes oder ist der Tag von morgens bis abends durchgeplant?

Auch Pausen gehören dazu. Sie sind kein Luxus, sondern helfen dabei, Konzentration und Tempo über den Tag auf gleichmäßigem Niveau zu halten. Ein zweiter wichtiger Punkt sind Übergaben, gerade in Teams mit Teilzeitmodellen oder wechselnden Schichten. Klare Zuständigkeiten, kurze Routinen und eine saubere Dokumentation sparen am Ende Zeit und verhindern, dass Aufgaben doppelt erledigt oder Dinge übersehen werden.

Nicht zuletzt spielt die Taktung der Termine eine Rolle. Nicht jede Behandlung passt in ein starres Raster. Wer hier bewusst etwas Luft einplant, gewinnt oft mehr Ruhe, mehr Verlässlichkeit und weniger Stau im Ablauf.

Eine Baustelle, zwei Perspektiven

Am Ende zeigt sich im Alltag: Eine gute Praxis erkennt man nicht daran, wann das Licht ausgeht. Sondern daran, wie konzentriert, stabil und verlässlich das Team arbeitet und ob die Leistung über den Tag hinweg abrufbar bleibt, statt in den letzten Stunden nur noch verwaltet zu werden.

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Kontakt

Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.
kontakt@beata-luczkiewicz.de

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