Kieferorthopädie unter Druck: Was der neue Gesetzentwurf für Praxisteams bedeutet

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Beata Luczkiewicz

Kieferorthopädie Gesetzentwurf: Der geplante Fachzahnarztvorbehalt könnte über 920.000 Kinder betreffen. Was das für deinen Praxisalltag bedeutet – von mehr Koordination bis zu veränderten Patientengesprächen. Jetzt informieren und Abläufe anpassen.

Kieferorthopädie unter Druck: Für mehr als 920.000 Kinder und Jugendliche könnte sich die Versorgung grundlegend verändern.

Der aktuelle Referentenentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sorgt für deutliche Kritik in der Zahnärzteschaft. KZBV und BZÄK warnen vor tiefgreifenden Einschnitten, insbesondere in der Kieferorthopädie. Sollte die Behandlung künftig ausschließlich Fachzahnärztinnen und Fachärzten vorbehalten sein, hätte das weitreichende Folgen für die Versorgung und den Praxisalltag.

Kieferorthopädie: fester Bestandteil im Praxisalltag

Gerade bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen gehört Kieferorthopädie für ZFA und Praxisteams selbstverständlich dazu. Rund 40 Prozent der Acht- und Neunjährigen weisen Fehlstellungen auf, die behandlungsbedürftig sind.

Entsprechend wichtig sind:

  • regelmäßige Kontrollen der Gebissentwicklung,
  • das frühzeitige Erkennen von Auffälligkeiten und
  • die Beratung von Eltern und die Koordination weiterer Schritte.

Idealerweise sollte jedes Kind im Alter von etwa neun bis zehn Jahren einmal kieferorthopädisch untersucht worden sein. Der tatsächliche Behandlungsbeginn richtet sich jedoch nach der individuellen Entwicklung und liegt meist zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr.

Was sich durch den Gesetzentwurf ändern könnte

Die geplanten Regelungen würden bestehende Versorgungsstrukturen spürbar verändern. Besonders deutlich wird das, wenn man genau hinschaut: Künftig könnten weit über 920.000 Kinder und Jugendliche ihren bisherigen Behandler verlieren.

Für den Praxisalltag bedeutet das:

  • Mehr Koordination und Organisation
    Überweisungen in spezialisierte Praxen würden zunehmen. Termine müssten abgestimmt werden, Unterlagen vorbereitet und Rückmeldungen einholt werden. All diese Aufgaben würden häufiger beim Praxisteam liegen.
  • Weniger Versorgung vor Ort
    Vor allem im ländlichen Raum könnten Wege länger und Wartezeiten größer werden.
  • Veränderte Patientenkommunikation
    Eltern müssten intensiver aufgeklärt werden, warum bestimmte Leistungen nicht mehr in der gewohnten Praxis stattfinden können.

Druck auf Praxen und Versorgungssystem

Neben den unmittelbaren Auswirkungen auf den Alltag sehen Fachverbände auch strukturelle Risiken. Fehlende Planungssicherheit könnte dazu führen, dass erfahrene Behandlerinnen und Behandler früher aus der Versorgung ausscheiden. Oder dass junge Behandlerinnen und Behandler sich gegen eine Praxisniederlassung entscheiden. Versorgungsengpässe wären dann nicht auszuschließen.

Für Praxisteams bedeutet das langfristig:

  • steigende organisatorische Belastung,
  • mehr Abstimmungsaufwand mit externen Behandlern und
  • wachsende Anforderungen bei der therapeutischen Begleitung von Patienten

Die Rolle des Praxisteams wird noch wichtiger

Wenn sich Versorgungsstrukturen verändern, sind ZFA und Praxisteams oft die ersten Ansprechpartnerinnen für Patienten. Sie erklären Abläufe, geben Orientierung und sorgen dafür, dass Behandlungen trotz Veränderungen gut organisiert bleiben.

Wichtig ist jetzt:

  • sich frühzeitig über mögliche Änderungen zu informieren,
  • interne Abläufe zu prüfen und anzupassen und
  • die Kommunikation mit Patienten klar und verständlich zu gestalten.

Fazit: Die geplanten Eingriffe betreffen nicht nur gesundheitspolitische Strukturen, sondern ganz konkret den Praxisalltag. Die Kieferorthopädie ist ein zentraler Bestandteil der Versorgung von Kindern und Jugendlichen und eng mit der Arbeit der Praxisteams verknüpft.

Sollten die Regelungen umgesetzt werden, könnten Wege nicht nur länger und Abläufe komplexer werden. Fachleute befürchten, dass soziale Unterschiede künftig wieder an den Zähnen sichtbar werden.

Für Praxisteams heißt das: aufmerksam bleiben, Abläufe flexibel gestalten und Patienten weiterhin sicher durch eine sich verändernde Versorgungslandschaft begleiten.

Wie sensibel das Gleichgewicht der zahnmedizinischen Regelversorgung ist und warum stabile Rahmenbedingungen für Prävention und Versorgungssicherheit entscheidend sind, haben wir bereits in dem Beitrag „Zahnmedizin raus aus der GKV?“ gezeigt.

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Kontakt

Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.


Email: kontakt@beata-luczkiewicz.de

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