
Wenn Entzündung auf Entzündung trifft
Rheumatische Erkrankungen und Parodontitis haben mehr gemeinsam, als du vielleicht denkst. In der neuen Folge von „Medizin trifft Zahnmedizin” sprechen Professor Gerhard Schmalz (Zahnerhaltung und Parodontologie) und Professorin Susann Patschan (Rheumatologie) über die faszinierenden Zusammenhänge zwischen beiden Erkrankungen – und warum gerade für dich als Praxismitarbeiterin oder Praxismitarbeiter dieses Wissen so wichtig ist.
Was sind rheumatische Erkrankungen eigentlich?
„Wir sprechen eigentlich von einer sehr definierten und großen Gruppe entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Das Immunsystem ist fehlgeleitet”, erklärt Professorin Patschan. Anders als viele denken, geht es nicht nur um Gelenkschmerzen – rheumatische Erkrankungen sind chronische Entzündungsprozesse, bei denen das körpereigene Abwehrsystem gegen den eigenen Körper arbeitet.
Die bidirektionale Beziehung: Rheuma und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig
Besonders spannend: „Wir können schon postulieren, dass die Rheumatoide Arthritis und Parodontitis eng miteinander assoziiert sind. Es ist sicherlich ein bidirektionales Verhalten”, so Professorin Patschan. Das bedeutet: Eine schwere Parodontitis kann rheumatische Erkrankungen begünstigen – und umgekehrt verschlechtert eine aktive rheumatische Erkrankung die Mundgesundheit.
Die gute Nachricht: „Eine gut eingestellte Rheumatoide Arthritis hat wahrscheinlich auch ein stabiles Parodont und umgedreht – bessere Zahnverhältnisse bedeuten ein besseres Rheuma.”
Orale Manifestationen: Was du in der Praxis beachten solltest
Professor Schmalz betont: „Das Spektrum von oralen Effekten, die wir sehen, ist so breit wie das Spektrum der Erkrankungen.” Patientinnen und Patienten mit rheumatischen Erkrankungen zeigen häufig:
- Mundtrockenheit (besonders beim Sjögren-Syndrom)
- Veränderungen im Kiefergelenk
- Erschwerte Mundhygiene durch eingeschränkte Beweglichkeit
- Erhöhtes Parodontitisrisiko durch immunsuppressive Medikamente
Herausforderungen durch Medikamente
Viele Rheuma-Patientinnen und -Patienten nehmen immunsuppressive Medikamente oder Biologika. Diese können die Mundgesundheit beeinflussen und erfordern besondere Aufmerksamkeit bei der Behandlungsplanung. „Der Mundraum ist auch in der Differentialdiagnose wichtig zu erfragen und wird auch von uns regulär erfragt”, erklärt Professorin Patschan.
Individuelle Betreuung ist entscheidend
„Diese Patientinnen und Patienten brauchen ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept. Nicht nur auf den immunologischen Zustand abgestimmt, sondern auch auf den Belastbarkeitszustand der Patientinnen und Patienten”, so Professor Schmalz. In der Praxis bedeutet das: kürzere Termine, angepasste Behandlungspläne und enge Rücksprache mit den behandelnden Rheumatologen.
Prävention als Schlüssel
„Es ist wie immer in der Medizin am allerbesten, wenn die Erkrankung nicht weit voranschreitet, wenn man Probleme quasi am Anfang schon vermeidet. Die Prävention, denke ich, ist die große Stärke der Medizin”, betont Professorin Patschan.
Für die Praxis heißt das: Regelmäßige professionelle Zahnreinigung, intensive Mundhygieneberatung und engmaschige Recall-Termine sind bei Rheuma-Patientinnen und -Patienten besonders wichtig.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit macht den Unterschied
Die Zusammenarbeit zwischen Zahnarztpraxis und Rheumatologie ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Als Praxisteam kannst du durch gezielte Anamnese-Fragen und Dokumentation wichtige Hinweise für die ganzheitliche Betreuung liefern.
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