
Es ist früher Vormittag im Fruitful Waisenhaus in Arusha, Tansania. Wo sonst Unterricht oder Alltag herrscht, wird heute gelacht, gestaunt und konzentriert Zähne geputzt. Zahnbürsten in der Hand, neugierige Blicke auf die angefärbten Zähne gerichtet: Für die Kinder ist es ein besonderer Tag. Für Dr. Sabrina Reitz ist es genau der Moment, der zeigt, warum sie für präventive Zahnmedizin brennt.

Gemeinsam mit David Jackson hat die Kinderzahnärztin hier einen interaktiven Zahnputz-Workshop umgesetzt. Aber „Workshop“ klingt fast zu nüchtern für das, was tatsächlich passiert: Es wird erklärt, ausprobiert, nachgemacht, gelacht und zwischendurch getanzt. Ja, getanzt. Denn wenn Mundhygiene mit Musik, Bewegung und Spaß verbunden wird, bleibt sie nicht nur besser im Gedächtnis, sondern auch im Herzen.
Wenn Prävention plötzlich greifbar wird

Der Einstieg ist simpel und wirkungsvoll: Mit Anfärbelösungen werden Zahnbeläge sichtbar gemacht. Für viele Kinder ist das ein Aha-Moment – plötzlich sieht man, wo sich Plaque wirklich versteckt. Was folgt, ist keine trockene Belehrung, sondern gemeinsames Üben: die richtige Putztechnik, Schritt für Schritt, direkt vor dem Spiegel, direkt im eigenen Mund.

Gesprochen wird auf Englisch, ergänzt durch ein paar Swahili-Wörter – genug, um Nähe zu schaffen und Hemmschwellen abzubauen. So entsteht schnell eine Atmosphäre, in der die Kinder mitmachen wollen. Sie stellen Fragen, imitieren Bewegungen, und präsentieren stolz ihre Erfolge. Prävention wird hier nicht erklärt, sie wird erlebt.
Der Zahnputztanz und die Kraft der Emotionen
Ein Höhepunkt ist der Zahnputztanz. Mundhygiene trifft auf Musik und die Putzbewegungen werden zu kleinen Choreografien. Was spielerisch wirkt, hat einen ernsten Kern: Positive Emotionen sind ein Schlüssel für nachhaltiges Lernen. Wer früh erlebt, dass Zahnpflege etwas Gutes, Selbstwirksames und sogar Spaßiges ist, verknüpft damit etwas ganz anderes als Pflicht und Zwang.
Genau dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Engagement von Dr. Reitz. Prävention bedeutet für sie nicht, Regeln aufzustellen, sondern Menschen mitzunehmen. Kinder zu motivieren. Vertrauen aufzubauen. Und zu zeigen: Du kannst selbst etwas für deine Gesundheit tun.
Mehr als ein Projekttag

Damit der Effekt nicht nach einem Vormittag verpufft, wurden vor Ort umfangreiche Materialien übergeben. Zahnbürsten, Zahnpasta, Becher, Poster, Spiegel und große Demonstrationsmodelle. So können die Betreuer die Inhalte weitergeben, Routinen aufbauen und das Thema langfristig im Alltag verankern.
Unterstützt wurde das Projekt durch verschiedene Partner und Spender wie Curaprox, den Verein für Zahnhygiene, Medicom und die Organisatoren Travel to grow und Friends for help e.V. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Engagement, Fachwissen und praktische Hilfe zusammenkommen.
Was das mit unserem Praxisalltag zu tun hat?

Natürlich sind Arusha und der deutsche Praxisbetrieb zwei sehr unterschiedliche Welten. Und doch ist die Botschaft erstaunlich universell: Prävention funktioniert am besten, wenn sie Menschen erreicht – emotional, verständlich und auf Augenhöhe. Ob in der Kinderprophylaxe, im Behandlungszimmer oder im Aufklärungsgespräch mit Eltern: Motivation, Beziehung und positive Erfahrungen sind oft wirksamer als jede noch so perfekte Anleitung auf Papier.
Für Praxisteams liegt darin eine starke Botschaft: Wir vermitteln nicht nur Techniken. Wir prägen Haltungen. Und manchmal reicht ein Perspektivwechsel, um sich daran zu erinnern, warum man diesen Beruf eigentlich macht.
Ausblick: Engagement, das weitergeht

Das Projekt in Tansania soll keine Ausnahme bleiben. Für 2027 ist eine „Dental Impact Journey“ nach Kapstadt geplant, die sich auf zahnmedizinische Fachangestellte und Praxisteams fokussiert. Im Zentrum stehen internationales Engagement, fachlicher Austausch und persönliches Wachstum. Die Idee dahinter: Über den eigenen Tellerrand schauen, neue Impulse mitnehmen und dieser wieder in den eigenen Praxisalltag zurücktragen.
Zur Person
Dr. Sabrina Reitz ist Zahnärztin mit den Schwerpunkten Kinderzahnmedizin und Sportzahnmedizin. Ihren Weg in die Zahnmedizin begann sie als zahnmedizinische Fachangestellte, später studierte sie Zahnmedizin. Aktuell gründet sie eine Praxis in Mainz mit Fokus auf inklusive und präventionsorientierte Versorgung – und bleibt dabei ihrer Überzeugung treu: Gute Zahnmedizin beginnt lange vor dem Behandlungsstuhl.
