Vom Hörsaal in die Küche: Wenn Ernährung Teil der Zahnmedizin wird

Flamingo Images - stock.adobe.com
Beata Luczkiewicz

Zahngesunde Ernährung ist Prävention – von Karies bis Parodontitis. Wie du Patienten im Praxisalltag kompetent berätst und warum ein Teamkochkurs als Fortbildung funktioniert, zeigt das Konzept Culinary Dentistry. Erfahre, wie Ernährungsberatung greifbar wird und dein Team profitiert.

Ernährung beeinflusst die Mundgesundheit stärker, als viele denken. Zahngesundheit beginnt nicht erst im Behandlungsstuhl, sondern oft schon in der Küche.

Ernährung und Zahnmedizin – auf den ersten Blick scheinen es zwei unterschiedliche Welten zu sein. Doch in der Prävention gehören sie eng zusammen. Wie praxisnah diese Verbindung aussehen kann, zeigt das Lehrformat „Culinary Dentistry“ an der Poliklinik für Zahnerhaltung am Universitätsklinikum Dresden. Hier wechseln Studierende vom Hörsaal in die Küche.

Nach einer theoretischen Einführung zur Bedeutung der Ernährung für Mund- und Allgemeingesundheit folgt der praktische Teil, in dem gemeinsam gekocht wird. Ziel ist es, zu verstehen, wie sich eine zahngesunde Ernährung im Alltag umsetzen lässt. Damit erweitert das Konzept die Idee der „Culinary Medicine“ um eine zahnmedizinische Perspektive.

Ein gemeinsamer Risikofaktor: Ernährung

Der Hintergrund: Viele häufige Erkrankungen teilen dieselben Risikofaktoren – allen voran eine unausgewogene Ernährung. Ein hoher Zuckerkonsum begünstigt nicht nur Karies, sondern steht auch mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Problemen in Verbindung.

Auch Parodontitis hat Auswirkungen auf den ganzen Körper, die über die Mundhöhle hinaus reichen. Entzündliche Prozesse im Zahnhalteapparat können mit systemischen Erkrankungen zusammenhängen, etwa Diabetes oder rheumatoider Arthritis. Ernährung wird deshalb zunehmend als wichtiger Bestandteil der Prävention betrachtet – sowohl für die Mundgesundheit als auch für den die Gesundheit des gesamten Körpers.

Eine pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen kann entzündungshemmend wirken und somit die Mundgesundheit fördern.

Prävention gehört zum Praxisalltag

Was in der Lehre erprobt wird, spielt auch im Praxisalltag eine Rolle. Prävention ist ein zentraler Bestandteil der modernen Zahnheilkunde und ZFA sind dabei wichtige Ansprechpartnerinnen für Patientinnen und Patienten.

Gerade im Rahmen der Prophylaxe werden viele Gespräche über Gewohnheiten geführt, die die Mundgesundheit beeinflussen. Dazu gehört neben der Mundhygiene auch die Ernährung. Schon kleine Hinweise können helfen, zum Beispiel zuckerarme Getränke, zahnschonende Snacks oder die Bedeutung von Esspausen für die Remineralisierung der Zähne.

Die Dentalhygienikerin: Prävention auf höchstem Niveau

Besonders stark im Fokus steht das Thema bei Dentalhygienikerinnen. In dieser höchsten Stufe der Prophylaxe-Weiterbildung geht es nicht nur um professionelle Zahnreinigungen oder parodontale Nachsorge, sondern auch um intensive Beratung und Motivation der Patientinnen und Patienten.

Dazu gehört auch die Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Ernährung und Mundgesundheit. Gerade bei Parodontitis-Patienten kann eine entzündungshemmende Ernährung ein wichtiger unterstützender Faktor sein.

Prävention im Team denken

Der Ansatz aus Dresden zeigt noch etwas anderes: Prävention wird besonders greifbar, wenn Wissen praktisch erlebt wird.

Auch Praxisteams können davon profitieren. Ein gemeinsamer Kochkurs oder ein Teamabend zum Thema zahngesunde Ernährung verbindet Fortbildung mit Teambuilding und schafft gleichzeitig neue Ideen für die Patientenberatung.

Denn wenn das Team selbst erlebt, wie sich gesunde Ernährung im Alltag umsetzen lässt, fällt es oft leichter, dieses Wissen verständlich weiterzugeben. Ein Perspektivwechsel vom Hörsaal in die Küche kann somit nicht nur Studierenden helfen, sondern auch Praxisteams dabei unterstützen, Prävention noch alltagsnäher zu vermitteln.

Kommentar: Gehört Ernährung in die Zahnarztpraxis? Unbedingt.
Karies entsteht nicht im Bad, sondern meist am Esstisch. Häufige Zuckerimpulse, süße Getränke und Snacks fördern bakterielle Säuren und damit Zahnschäden. Gleichzeitig beeinflusst die Ernährung auch entzündliche Prozesse im Körper und kann Parodontitis begünstigen oder abschwächen.
Wer Prävention ernst nimmt, kommt deshalb an der Ernährung nicht vorbei. Zahnarztpraxen – insbesondere Prophylaxe-Teams – haben einen großen Vorteil: Sie sehen ihre Patientinnen und Patienten regelmäßig und können ihnen mit kurzen, alltagstauglichen Impulsen dabei helfen, zahngesunde Gewohnheiten zu entwickeln.

Mehr zum Thema:

Kontakt

Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.


Email: kontakt@beata-luczkiewicz.de

weitere Beiträge aus diesem Fachbereich

recall® Das Praxisteam-Magazin immer mit dabei

Mit unserem E-Paper haben Sie die Möglichkeit alle Ausgaben kostenfrei mobil auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop zu lesen.

Recall Magazin