Richtige Mundpflegeprodukte steigern die Patientencompliance

Die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) schließt sich an die PA- Behandlung an. Ihr Ziel ist es, das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Im Recall erfolgt zunächst erneut die Kontrolle des Mundhygienestatus und die Remotivation des Patienten. Auch alternative Mundpflegeprodukte können angeboten werden. Letzteres ist von großer Bedeutung. Manchmal kommen Patienten mit den vorgeschlagenen Hilfsmitteln nicht zurecht oder der Zustand im Mund hat sich so verändert, dass sie beispielsweise eine andere Größe der Interdentalbürstchen verwenden sollten.

Ann-Christin Stark zeigt in ihrem Beitrag, wie sie ihre Patientin während der unterstützenden Parodontitistherapie begleitet. Anhand ihrer Dokumentation ergibt sich für die Abrechnung eine deutliche Auflistung der Positionen. Die Wahl fällt dabei auf die GOZ, da für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung keine Sachleistungen des BEMA zur Verfügung stehen. Die relevanten Stichworte zur Findung der Abrechnungspositionen habe ich in den Tabellen (siehe Download rechts) „fett“ hervorgehoben.

Die Inhalte der folgenden Recallsitzungen festzulegen, obliegt dem Zahnarzt und der Dentalhygienikerin beziehungsweise Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin.

Der Zugriff auf die Positionen 1010, 4005, 4000 und 1000 erscheint zunächst reglementiert. Die BZÄK erlaubt jedoch bei Überschreitung der festgesetzten Vorgaben eine analoge Berechnung (siehe Tabelle im Download rechts).

Da in der analogen Abrechnung die Kalkulation der verwendeten Position frei ist, könnte sogar die Begrenzung der Dauer bei den Positionen 1000 und 1010 umgangen werden. Dies würde ich jedoch nicht empfehlen. Die GOZ erlaubt euch mit dem § 6 (1) eine Ausweitung der notwendigen Leistungen und gestattet für den Einzelfall eine Ausweitung der Begrenzung.

Hier geht es zum Fallbreicht von Ann-Christin Stark.

Oral-B (R) UP TO DATE Fortbildungsreihe

Diesmal in eine ehemalige Gießerei aus dem Jahre 1895, die nicht nur mit ihrer Gründerzeitarchitektur beeindruckt. Zum Warming-up nutzten viele der rund dreihundert Teilnehmer einen Rundgang durch das Da Capo Oldtimermuseum. In der verspiegelten Halle lassen sich glänzende Oldtimer aus über 100 Jahren Automobilgeschichte bestaunen, dazu stilechte Mode aus den 20er bis 50er Jahren. 

Den Auftakt des Abends bestritt Prof. Dr. Norbert Krämer, President-elect der International Association of Paediatric Dentistry, mit seinem Vortrag „Kreidezähne – eine neue Volkskrankheit“, ein in der Fachwelt aktuell viel diskutiertes Thema. Er beleuchtete die Herausforderungen für Praxisteams, mit den akuten Beschwerden von Patienten, die unter Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) leiden, richtig umzugehen. Behandlungsfotos aus mehreren Jahrzehnten belegten eigene Lernkurven und praxiserprobtes Know-how. Dieser Erfahrungsschatz sorgte für einen anschaulichen und authentischen Auftritt, gewürzt mit einer App-gestützten Live-Befragung zu einzelnen Aspekten des Themas ganz im Stil „Wer wird Millionär“ à la Günther Jauch.

Bei der sogenannten Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) handelt es sich um eine systemisch bedingte Strukturanomalie primär des Schmelzes, welche an einem bis zu allen vier ersten bleibenden Molaren auftritt. Häufig weisen auch die bleibenden Frontzähne und zunehmend auch die 2. Milchmolaren diese Fehlstrukturierung auf. Aktuelle Studien aus Deutschland zeigen, dass im Durchschnitt etwa 10 bis 15 Prozent der Kinder an MIH leiden. Die jüngste DMSV – Studie zur Mundgesundheit berichtet über knapp 30 Prozent (!) der 12-jährigen Kinder, die diese Strukturanomalie haben. Bezogen auf die Mundgesundheit und die Lebensqualität der Kinder ist MIH mittlerweile ein größeres Problem als Karies in dieser Altersgruppe.

Die Ätiologie der MIH muss bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt als weitgehend ungeklärt angesehen werden. Da die Schmelzentwicklung der ersten Molaren und der Inzisivi zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr stattfindet, muss die Störung auch in dieser Zeitspanne aufgetreten sein. Diskutiert wird ein multifaktorielles Geschehen. Als potenzielle Ursachen kommen Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotikagaben, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Luftwege in Betracht. Aufgrund von Tierversuchen konnte ein Zusammenhang zwischen dem Bisphenol A-Konsum und der Entwicklung von MIH nachgewiesen werden.

Charakteristisch ist, dass die betroffenen Molaren häufig recht empfindlich auf mechanische, thermische und chemische Reize sein können. Erklärt wird dies durch eine chronische Entzündung (Reizung) der Pulpa, bedingt durch die erhöhte Porosität des Schmelzes mit andauernder Einwirkung von Noxen. Die betroffenen Patienten klagen über Schmerzen beim Trinken, Essen und Zähneputzen. Dies beeinträchtigt die Lebensqualität der jungen Patienten und erschwert die Behandlung beim Zahnarzt. Trotzdem ist in diesen Fällen ein schnelles therapeutisches Eingreifen dringend geboten.

Die Art der Behandlung hängt von dem Grad der Erkrankung ab. Dies gilt als Grundlage für das neu entwickelte Würzburger MIH-Konzept (MIH-Treatment Need Index) und soll Zahnärzten als Handlungsanweisung zur angemessenen Versorgung der kleinen Patienten dienen. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass MIH aufgrund der Prävalenz als neue Volkskrankheit bezeichnet werden muss. Die schweren Fälle der MIH stellen in der zahnärztlichen Praxis aufgrund der akuten Beschwerden einen Notfall dar. Vom Zahnarzt ist dann ein sofortiges Eingreifen zu erwarten.

Im zweiten Vortrag des Abends erläuterte Dr. med. Catherine Kempf praxisnah an Beispielen die Aspekte des Wissens, welches Zahnmediziner zur Anamneseerhebung und den daraus resultierenden Behandlungsentscheidungen brauchen. Unter dem Titel „Medizin trifft Zahnmedizin – Der Risikopatient in der Prophylaxe: Problem oder trotzdem?“ rüttelte sie mit wichtigen Fragen, beispielsweise wie oft die Anamnese durchzuführen ist, ihr Publikum wach und frischte Wissen mit kurzen Gesetzesauszügen auf. Insbesondere die Behandlung der Risiko-Patienten, zum Beispiel mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stellt eine tägliche Herausforderung für alle Mitarbeiter in der Zahnarztpraxis dar. Konkret beziehen sich diese auf die Bedeutung der Anamnese und die Konsequenzen für die Terminierung, Lagerung, Therapie, Medikation und vieles mehr. Das Fazit für die Teilnehmer: Der Risiko-Patient in der Prophylaxe – kein Problem, falls er rechtzeitig erkannt wird und die Besonderheiten für dessen Behandlung konsequent beachtet werden.

Auch nach den spannenden Vorträgen konnten die Teilnehmer einzigartige Einblicke hinter die Kulissen der exklusiven Eventlocation ‚Da Capo‘ gewinnen. Bei entspannter After-Work-Atmosphäre mit Getränken und Häppchen im Gespräch mit Kollegen und Referenten konnten die Teilnehmer anschließend den Tag ausklingen lassen.

Für die Teilnahme wurden drei Fortbildungspunkte nach BZÄK und DGZMK gutgeschrieben.

Recall Magazin