Stromausfall in der Zahnarztpraxis: Lehren aus dem Berliner Blackout

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Beata Luczkiewicz

Der Berliner Blackout zeigte: Ohne Strom steht die Praxis still. Wie ihr als Team vorbereitet seid und im Ernstfall ruhig bleibt – mit praktischem Notfallplan zum Download.

Schritt für Schritt vorbereitet: Ein Notfallplan unterstützt Praxisteams, auch bei Stromausfall den Überblick zu behalten.

Anfang Januar kam es im Südwesten Berlins zu einem großflächigen Stromausfall. Nach einem Brandanschlag waren rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2.000 Betriebe zeitweise ohne Elektrizität. Auch zahlreiche Arzt- und Zahnarztpraxen waren betroffen. Computer ließen sich nicht mehr starten, Telefonnetze fielen aus und Alarmanlagen funktionierten nicht mehr. Der Praxisbetrieb kam zum Stillstand.

Der Berliner Blackout hat deutlich gemacht, wie abhängig Praxen heute von einer stabilen Stromversorgung sind. Denn nahezu alle zentralen Abläufe – von der Behandlung über die Dokumentation bis zur Kommunikation – sind digital gestützt. Ein Stromausfall ist daher nicht mehr nur eine technische Störung, sondern eine organisatorische Ausnahmesituation.

Warum ein Stromausfall zur Praxisfrage wird

Moderne Zahnarztpraxen arbeiten hochgradig vernetzt. Praxissoftware, Telematikinfrastruktur, Kartenterminals, digitale Röntgensysteme und Telefonanlagen benötigen dauerhaft Strom. Fällt dieser aus, sind viele Prozesse gleichzeitig betroffen.

Für das Praxisteam bedeutet das, Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen, während gleichzeitig Patienten vor Ort informiert und laufende Behandlungen sicher beendet werden müssen. Ohne klare Abläufe entsteht schnell Unsicherheit – sowohl im Team als auch im Wartezimmer.

Sicherheit hat im Ernstfall Vorrang

Es ist hilfreich, wenn im Team vorab geklärt wurde, wer in solchen Momenten welche Aufgaben übernimmt. Wer spricht mit den Patienten im Behandlungszimmer? Wer informiert die Wartenden? Wer behält den Überblick an der Rezeption? Klare Zuständigkeiten reduzieren Stress und geben Orientierung.

Was in der Zahnarztpraxis im Ernstfall funktionieren muss

Nicht alle Funktionen der Praxis müssen bei Stromausfall verfügbar bleiben. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen notwendiger Grundversorgung und regulärem Praxisbetrieb.

In vielen Praxen reicht es aus, wenn folgende Bereiche weiterhin funktionieren:

  • sichere Beendigung laufender Behandlungen
  • grundlegende Beleuchtung
  • telefonische Erreichbarkeit
  • eingeschränkter Zugriff auf wichtige Daten

Fällt der Strom aus, stehen wichtige Praxisgeräte wie Kompressor, Absaugung oder Röntgen still. Der Fokus liegt dann darauf, laufende Behandlungen sicher abzuschließen und gemeinsam zu klären, wie es weitergeht.

Notstrom in der Zahnarztpraxis: realistische Optionen

Zur technischen Vorbereitung gehören häufig unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) für Server, Router und zentrale IT-Komponenten. Sie überbrücken kurze Stromausfälle und schützen sensible Daten vor Schäden.

Für längere Unterbrechungen kann ein Notstromaggregat eine Option sein – vorausgesetzt, es ist fachgerecht installiert, verfügt über eine sichere Netztrennung und wird ausschließlich über dafür vorgesehene Einspeisepunkte genutzt. Improvisierte Lösungen stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und sind keine Alternative.

Notfallplan bei Stromausfall: Organisation entscheidet

Mindestens ebenso wichtig wie die Technik ist die organisatorische Vorbereitung. Ein klar strukturierter Notfallplan hilft der Zahnarztpraxis, auch bei Stromausfall handlungsfähig zu bleiben.

Er sollte unter anderem regeln:

  • Aufgabenverteilung im Team
  • Kommunikation mit Patienten
  • Kriterien für Terminabsagen oder Praxisschließung
  • Vorgehen bei analoger Dokumentation

Analoge Alternativen bleiben unverzichtbar

So digital der Praxisalltag auch ist, analoge Hilfsmittel bleiben für Ausnahmesituationen wichtig. Dazu zählen ausgedruckte Tageslisten, wichtige Telefonnummern auf Papier, Blankoformulare sowie einfache Schreibmaterialien. Sie ermöglichen zumindest eine Grunddokumentation, bis alle Systeme wieder verfügbar sind, und verhindern so, dass Informationen verloren gehen.

Notfallplan auch im Qualitätsmanagement verankern

Ein strukturierter Notfallplan kann dabei Orientierung bieten. Er ist nicht nur im Alltag sinnvoll, sondern kann auch im Qualitätsmanagement der Praxis verankert werden. Als kurze Verfahrensanweisung oder als Anlage im QM-Handbuch hilft er dabei, Zuständigkeiten und Abläufe klar festzuhalten insbesondere für Ausnahmesituationen wie einen Stromausfall. Für das Praxisteam bedeutet das: weniger Unsicherheit im Ernstfall und ein einheitliches Vorgehen, auf das alle zurückgreifen können.

Eine kompakte 1-seitige Übersicht „Notfallplan Stromausfall für das Praxisteam“ steht als PDF zum Download bereit. Sie eignet sich sowohl als Bestandteil des QM-Handbuchs als auch als laminierter Aushang im Teamraum.

Vorbereitung schafft Sicherheit im Praxisalltag

Der Berliner Stromausfall hat gezeigt, wie schnell der gewohnte Praxisbetrieb ins Stocken geraten kann. Klare Abläufe und definierte Zuständigkeiten helfen, auch in Ausnahmesituationen Ruhe zu bewahren. Eine Zahnarztpraxis wird bei einem Stromausfall nicht voll arbeitsfähig bleiben, kann aber organisiert und strukturiert handeln.

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Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.


Email: kontakt@beata-luczkiewicz.de

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