
Ob Neupatient oder langjähriger Stammpatient – für viele beginnt der erste Kontakt mit einer Zahnarztpraxis heute im Internet. Bevor ein Termin vereinbart wird, wird gegoogelt, gelesen und verglichen. Dabei wirkt die Website wie eine Visitenkarte: Sie beeinflusst, ob Vertrauen entsteht – oder nicht. Eine gute Praxis-Website muss deshalb mehr können als nur „schön aussehen“. Sie soll informieren, Orientierung geben und rechtlich auf der sicheren Seite sein.
Rechtliches: Pflichtangaben klar und korrekt
Eine der wichtigsten Grundlagen ist das Impressum. Es muss leicht erkennbar sein, mit einem Klick erreichbar und jederzeit verfügbar. Zu den Pflichtangaben zählen unter anderem der Name und die Anschrift der Praxis, bei Gemeinschaftspraxen die Namen aller Partner, die Rechtsform sowie Kontaktmöglichkeiten wie Telefon, E-Mail und Fax. Wichtig: E-Mails sollten regelmäßig gelesen werden. Wenn dies im Alltag nicht gewährleistet ist, empfiehlt sich ein klarer Hinweis mit der Bitte, in dringenden Fällen anzurufen.
Seit Juli 2025 hat sich zudem die Rechtslage zur Online-Streitbeilegung geändert. Die entsprechende EU-Verordnung wurde aufgehoben. Verweise auf die frühere Plattform müssen von der Website entfernt werden, da sie sonst als irreführend gelten können und abmahnfähig sind. Auch Angaben zur zuständigen Kammer, zur Aufsichtsbehörde und zu berufsrechtlichen Regelungen gehören in die Anbieterkennzeichnung. Ein zusätzlicher Service für Patienten kann eine Verlinkung zum zahnärztlichen Notdienst sein, etwa über notdienst-zahn.de, wo außerhalb der Öffnungszeiten schnell Hilfe gefunden wird.
Barrierefreiheit: Wer ist betroffen?
Wenn Praxen auf der eigenen Website eine Online-Terminbuchung anbieten, kann ab Juni 2025 die Pflicht zur Barrierefreiheit greifen – allerdings nur für größere Einheiten. Betroffen sind Betriebe mit mindestens zehn Mitarbeitenden und entweder mehr als zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder einer entsprechend hohen Bilanzsumme. Viele Einzelpraxen gelten als Kleinstunternehmen und sind nicht verpflichtet. Für größere Praxen und MVZ kann das Thema jedoch relevant werden und sollte frühzeitig geprüft werden.
Wiedererkennung durch Corporate Design
Eine professionelle Website wirkt dann besonders glaubwürdig, wenn sie zur Praxis passt. Farben, Logo, Schriftarten und Bildsprache sollten mit dem Erscheinungsbild vor Ort übereinstimmen – vom Praxisschild bis zur Visitenkarte. Dieses konsistente Corporate Design schafft Orientierung und Wiedererkennung: Patienten fühlen sich schneller „richtig“ aufgehoben.
Texte und Bilder: Rechte klären, Persönlichkeit zeigen
Ob Fotos aus der Praxis, Teamfotos oder Infografiken – alles, was nicht selbst erstellt oder beauftragt wurde, darf nur mit gültigen Nutzungsrechten verwendet werden. Auch Mitarbeitende müssen der Veröffentlichung ihres Bildes ausdrücklich zustimmen, denn das Recht am eigenen Bild ist ein Persönlichkeitsrecht. Rechtssicherheit und Transparenz schützen vor späteren Problemen.
Verständlich schreiben – auch für Suchmaschinen
Inhaltlich gilt: patientengerecht informieren. Fachbegriffe wirken zwar kompetent, helfen Patienten aber oft nicht weiter. Besser ist es, Leistungen klar zu beschreiben, Schwerpunkte zu benennen und medizinische Begriffe zu erklären. Das hat einen doppelten Effekt: Patienten fühlen sich abgeholt – und Suchmaschinen bewerten die Seite besser, weil typische Suchbegriffe tatsächlich im Text vorkommen. Wer nur in Fachsprache schreibt, wird online oft schlechter gefunden.
Was Patienten wirklich wissen wollen
Websitebesucher wollen schnell Antworten zu Themen wie Öffnungszeiten, Kontakt, Erreichbarkeit, Parkmöglichkeiten, Anbindung an Bus und Bahn, Behandlungsschwerpunkte sowie ein Eindruck von Atmosphäre und Team. Was häufig gefragt wird, sollte auf der Startseite oder mit wenigen Klicks erreichbar sein. Je klarer die Struktur, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Seitenbesuch eine Terminbuchung wird.
Fazit: Eine gute Praxis-Website ist kein Luxus, sondern ein zentrales Instrument des Praxismarketings. Sie verbindet rechtliche Sicherheit mit Service, Wiedererkennung und verständlicher Information. Wer die Pflichtangaben sauber umsetzt und die Inhalte aus Patientensicht formuliert, schafft Vertrauen und vermeidet unnötige Anrufe, noch bevor der Termin stattfindet.
Quelle:
- Kassenärztliche Vereinigung Bayern unter kzvb.de/digitalisierung-ti/praxis-website
- Albert Mergelsberg, Newsletter November 2025 „Neuerungen in Zahnarztpraxen 2025-2026“
