
Süße Softdrinks könnten in Deutschland bald deutlich teurer werden. Die Bundesregierung plant ab 2028 eine Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke. Je höher der Zuckergehalt, desto höher soll auch die Abgabe ausfallen. Ziel ist es, den Zuckerkonsum zu senken und gleichzeitig die gesetzlichen Krankenkassen finanziell zu entlasten. Für ZFA und Praxisteams ist diese Diskussion besonders interessant, denn sie betrifft nicht nur Fragen der allgemeinen Gesundheit, sondern auch die Prävention in der Zahnmedizin.
Geplant ist eine gestaffelte Abgabe von 32 bis 36 Cent pro Liter. Getränke mit geringem Zuckergehalt sollen ausgenommen bleiben. Die Bundesregierung rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von rund 450 Millionen Euro jährlich. Das Geld soll unter anderem den Krankenkassen zugutekommen. Gleichzeitig erhofft man sich einen gesundheitlichen Effekt: weniger Zucker, weniger Erkrankungen und langfristig geringere Behandlungskosten.
Großbritannien gilt als Vorbild
Als Vorbild dient Großbritannien. Dort gibt es bereits seit acht Jahren eine vergleichbare Zuckersteuer. Der Effekt: Viele Hersteller reduzierten den Zuckergehalt ihrer Getränke deutlich – teilweise um bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig blieb der Absatz von Softdrinks weitgehend stabil. Die Verbraucher konsumierten also weiterhin ähnliche Produkte, nahmen dabei aber weniger Zucker zu sich.
Studien zeigen zudem positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ging der Zuckerkonsum zurück. Laut Untersuchungen der Universität Cambridge müssten außerdem weniger Kinder wegen schwerer frühkindlicher Karies im Krankenhaus behandelt werden. Genau dieser Zusammenhang macht das Thema auch für Zahnarztpraxen relevant.
Prävention bleibt entscheidend
Die Diskussion um die Zuckersteuer zeigt zugleich, wie wichtig Prävention weiterhin ist. Die Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie zeigen deutlich, dass sich die Mundgesundheit in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert hat. Immer mehr Kinder sind kariesfrei und Erwachsene behalten ihre Zähne heute deutlich länger. Einen wichtigen Anteil daran haben regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Individualprophylaxe und Aufklärung in den Praxen.
Für Zahnarztpraxen gehören Ernährungstipps deshalb längst zum Praxisalltag. Dabei geht es oft nicht um Verbote, sondern um realistische Alltagstipps: weniger stark gezuckerte Getränke, ein bewussterer Umgang mit Softdrinks oder zuckerfreie Alternativen. Gerade Eltern sind häufig dankbar für verständliche Informationen rund um Ernährung und Mundgesundheit.
Nicht alle begrüßen die Pläne
Die geplante Zuckersteuer wird allerdings kontrovers diskutiert. Kritiker aus der Lebensmittel- und Zuckerindustrie bezweifeln, dass eine solche Abgabe tatsächlich Übergewicht oder Erkrankungen tatsächlich reduziert. Sie argumentieren, dass Menschen stattdessen auf andere kalorienreiche Produkte ausweichen könnten. Außerdem wird kritisiert, dass Hersteller Zucker häufig durch Süßstoffe ersetzen. Auch der Vorwurf einer „Bevormundung“ von Verbrauchern spielt in der Debatte eine Rolle.
Andere Fachleute halten dagegen: Eine Zuckersteuer allein werde zwar keine Gesundheitsprobleme lösen, könne aber ein sinnvoller Baustein innerhalb einer breiteren Präventionsstrategie sein. Diskutiert wird deshalb auch ein kombinierter Ansatz: Ungesunde Produkte sollen teurer werden und gleichzeitig sollen Obst und Gemüse steuerlich entlastet werden.
Was Praxisteams beobachten
Ob die Zuckersteuer tatsächlich kommt und wie stark sie das Konsumverhalten verändert, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch schon jetzt: Das Thema Ernährung wird in Zahnarztpraxen weiter an Bedeutung gewinnen.
- NDR, Zuckersteuer: Entlastung für Krankenkassen in Millionenhöhe erwartet
- Deutsche Diabetes Gesellschaft, Zuckersteuer wäre binnen zwei Jahren machbar
- Foodwatch, Zuckersteuer jetzt!
- Die Zuckerverbände, Zucker und Ernährung: Die häufigsten Falschannahmen
