
Der erste Arbeitstag in einer neuen Praxis wirft viele Fragen auf. Wo befindet sich welches Material? Wer ist für welche Aufgaben zuständig? Welche Abläufe sind genau festgelegt? Neben diesen organisatorischen Fragen gibt es noch etwas anderes zu entdecken: das Team selbst.
In vielen Praxen arbeiten Menschen seit Jahren zusammen. Sie kennen die Stärken der Kolleginnen, wissen wie sie bestimmte Situationen meistern, und haben Routinen entwickelt, die den Alltag erleichtern. Oft reichen wenige Worte oder ein kurzer Blick, um sich zu verständigen.
Unsichtbares Praxiswissen: Wie über Jahre gewachsene Routinen den Einstieg erschweren
In jedem Team entsteht mit der Zeit Wissen, das nirgendwo aufgeschrieben steht. Es entwickelt sich über Jahre hinweg und wird Teil der täglichen Zusammenarbeit. Wer schon lange dabei ist, bemerkt oft gar nicht mehr, wie viel wertvolle Erfahrung darin steckt.
Für neue Kolleginnen kann das eine Herausforderung sein. Während das Team routiniert arbeitet, versucht die neue Mitarbeiterin oder der neue Mitarbeiter herauszufinden, wie die Praxis „funktioniert“.
Neue Perspektiven im Praxisteam: Warum ungewohnte Fragen wertvoll sind
Wer neu in ein Team kommt, stellt häufig Fragen, die andere längst nicht mehr stellen würden. Warum läuft dieser Ablauf genau so? Weshalb wird eine Aufgabe auf diese Weise erledigt? Könnte man etwas vereinfachen? Solche Fragen halten zwar auf, können aber wertvoll sein. Sie machen sichtbar, was im Alltag selbstverständlich geworden ist. Manchmal zeigt sich dabei, dass bestimmte Abläufe gute Gründe haben. Manchmal fällt aber auch auf, dass Gewohnheiten vor allem deshalb bestehen, weil sie sich über Jahre etabliert haben.
Ein neuer Blick kann deshalb eine Chance sein – für die neue Kollegin ebenso wie für das bestehende Team.
Ankommen im Praxisteam braucht Zeit: Wie Vertrauen im Praxisalltag wächst
Während fachliche Abläufe oft relativ schnell erlernt werden können, entwickelt sich Zugehörigkeit meist langsamer. Vertrauen entsteht nicht an einem einzigen Arbeitstag. Es wächst durch gemeinsame Erfahrungen, Gespräche und die vielen kleinen Begegnungen des Praxisalltags.
Oft sind es deshalb nicht die großen Maßnahmen, die den Einstieg erleichtern. Eine kurze Erklärung zusätzlicher Hintergründe, die Einladung, jederzeit Fragen stellen zu dürfen oder ein gemeinsames Gespräch in einer ruhigen Minute können viel bewirken. Denn wer neu in eine Praxis kommt, möchte nicht nur wissen, wie etwas gemacht wird. Ebenso wichtig ist das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu werden.
Feste Ansprechperson im Praxisteam: Orientierung für neue Mitarbeitende
Ein Ansatz, den viele Praxen bereits aus der Ausbildung kennen, ist die Begleitung durch eine feste Ansprechperson. Auszubildende profitieren häufig davon, wenn sie jemanden haben, der nicht nur fachliche Fragen beantwortet, sondern ihnen auch Orientierung im Praxisalltag gibt.
Gerade weil viele Fragen nicht fachlicher Natur sind, sondern das Ankommen im Team betreffen, setzen manche Praxen auf feste Ansprechpersonen. In der Ausbildung ist dieser Gedanke bereits fest verankert. Ausbildungsmentoren begleiten Lern- und Entwicklungsprozesse, unterstützen bei der Einarbeitung und helfen dabei, die Zusammenarbeit im Team zu fördern.
Diese Grundidee lässt sich auch auf neue Mitarbeitende übertragen. Wer weiß, an wen er sich mit Fragen wenden kann, findet oft schneller Zugang zu den Abläufen und zur Teamkultur. Gleichzeitig entsteht eine persönliche Verbindung, die das Ankommen erleichtert.
Für ZFA, die diese Rolle übernehmen oder ihre Kompetenzen in diesem Bereich ausbauen möchten, gibt es inzwischen auch spezielle Qualifizierungen. Informationen zur zertifizierten Fortbildung „Ausbildungsmentor“ bietet beispielsweise die Haranni Academie – Ausbildungsmentor-Zertifikat.
Perspektivwechsel im Praxisteam: Die eigene Praxis mit neuen Augen sehen
Eingespielte Teams sind eine große Stärke. Vielleicht lohnt es sich dennoch, gelegentlich die Perspektive zu wechseln. Wie wirkt das Team auf jemanden, der zum ersten Mal durch die Praxistür kommt? Welche Informationen erscheinen selbstverständlich, obwohl sie für Außenstehende neu sind? Und welche Gewohnheiten würden erst auffallen, wenn jemand danach fragt?
Wer diese Fragen im Hinterkopf behält, erleichtert es anderen, anzukommen – und entdeckt dabei vielleicht auch die eigene Praxis noch einmal aus einem neuen Blickwinkel.
