ChatGPT sagt, ich brauche eine Wurzelbehandlung. – Wie zuverlässig sind KI-Diagnosen für Patienten?

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Beata Luczkiewicz
KI kann hilfreiche Hinweise liefern. Ob sie richtig sind, zeigt erst die zahnärztliche Untersuchung.

„Ich habe seit drei Tagen starke Schmerzen rechts oben. Nachts pocht es besonders schlimm. ChatGPT meint, es könnte eine Entzündung der Zahnwurzel sein.“ Solche Anfragen könnten schon bald zum Praxisalltag gehören. Immer mehr Menschen nutzen KI, bevor sie einen Arzt- oder Zahnarzttermin vereinbaren. Sie beschreiben ihre Beschwerden einem Chatbot und hoffen auf eine erste Einschätzung. Doch wie zuverlässig sind diese Antworten?

Ein aktueller Test der Stiftung Warentest liefert eine Antwort auf diese Frage. Fünf bekannte KI-Chatbots – ChatGPT, Gemini, Claude, Meta AI und DeepSeek – sollten typische Symptome von fünf Krankheitsbildern erkennen. Fachärztinnen und Fachärzte überprüften anschließend die Antworten. Das Ergebnis ist überrascht: Im Großen und Ganzen lieferten mehrere Chatbots richtige Verdachtsdiagnosen. ChatGPT erkannte im Test sogar alle fünf Krankheitsbilder und empfahl bei dringenden Fällen konsequent, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Verdachtsdiagnose ist noch keine Diagnose

Trotzdem warnt die Stiftung Warentest davor, sich auf Chatbots zu verlassen. Der Grund: Künstliche Intelligenz versteht Krankheiten nicht. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten auf Basis der eingegebenen Informationen. Fehlt ein wichtiges Symptom oder wird eine Beschwerde ungenau beschrieben, kann sich auch die Antwort verändern.

Gerade in der Zahnmedizin wird das deutlich. Schmerzen im Oberkiefer können beispielsweise viele Ursachen haben. Sie können tatsächlich von einem Zahn ausgehen, aber auch durch eine Nasennebenhöhlenentzündung, Probleme am Kiefergelenk oder andere Erkrankungen ausgelöst werden. Welche Ursache dahintersteckt, lässt sich oft erst durch eine Untersuchung und entsprechende Diagnostik sicher beurteilen.

Patientinnen und Patienten werden besser vorbereitet

Für Zahnarztpraxen bringt diese Entwicklung dennoch Chancen. Viele Patientinnen und Patienten beschäftigen sich heute intensiver mit ihren Beschwerden als noch vor wenigen Jahren. Sie kommen mit konkreten Fragen, möglichen Verdachtsdiagnosen oder bereits recherchierten Informationen in die Praxis.

Für das Praxisteam bedeutet das vor allem eines: zuhören, einordnen und erklären. Nicht jede KI-Antwort ist falsch, aber KI kann das Gespräch und die Untersuchung nicht ersetzen. Die endgültige Diagnose entsteht erst durch die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und zahnärztlicher Erfahrung.

Vertrauen ja – aber mit gesunden Grenzen

Dass viele Menschen Künstlicher Intelligenz grundsätzlich offen gegenüberstehen, zeigt auch eine repräsentative Forsa-Umfrage. 71 Prozent bewerten den Einsatz von KI in der Medizin positiv und 60 Prozent erwarten dadurch sogar Verbesserungen in der Patientenversorgung. Gleichzeitig wünschen sich die meisten, dass KI den persönlichen Kontakt nicht ersetzt. Mehr als die Hälfte der Befragten sorgt sich zudem um den Schutz sensibler Gesundheitsdaten.

Auch Stiftung Warentest nennt den Datenschutz als wichtigen Kritikpunkt. Gesundheitsdaten können auf Servern außerhalb Europas verarbeitet werden. Wie die Anbieter die Informationen langfristig nutzen, bleibt für Nutzerinnen und Nutzer oft unklar.

Die Zukunft spricht mit

KI wird den Zahnarzt nicht ersetzen. Wahrscheinlich wird sie aber den Weg vieler Patientinnen und Patienten in die Praxis verändern. Sie werden künftig häufiger mit einer Vermutung als nur mit Schmerzen kommen. Für das Praxisteam eröffnet das eine neue Aufgabe: Informationen einordnen, Unsicherheiten abbauen und verständlich erklären, warum zwischen einer guten Verdachtsdiagnose und einer gesicherten Diagnose oft ein entscheidender Unterschied besteht.

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Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.


Email: kontakt@beata-luczkiewicz.de

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