
Stress gehört für viele ZFA zum Alltag. Zwischen Rezeption, Behandlungszimmer und Telefon wechseln sie oft im Minutentakt die Aufgaben. Mal gelingt das erstaunlich gelassen. An anderen Tagen scheint jede Kleinigkeit zu viel zu sein. Dass psychische Belastungen zunehmen, bestätigen aktuelle Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Fast 30 Prozent der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen entfielen 2025 auf akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Diese werden häufig durch Dauerstress und anhaltenden mentalen Druck ausgelöst. Im Vergleich zu 2017 ist die Zahl dieser Fehltage um fast 80 Prozent gestiegen.
Der Druck steigt – auch in Zahnarztpraxen
Gerade in Zahnarztpraxen kommen mehrere Belastungen zusammen. Fachkräftemangel, steigende Patientenerwartungen, hohe Arbeitsintensität und immer mehr organisatorische Aufgaben erhöhen den Druck. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an ZFA: Multitasking, Verantwortungsbewusstsein und ein einfühlsamer Umgang mit Patientinnen und Patienten werden heute selbstverständlich vorausgesetzt. Studien zeigen zudem, dass viele Beschäftigte eine fehlende Anerkennung ihrer Arbeit erleben. Diese Kombination kann emotionale Erschöpfung fördern und die Bereitschaft erhöhen, den Beruf zu wechseln.
Warum derselbe Stress unterschiedlich wirkt
Warum erleben zwei Menschen denselben Arbeitstag trotzdem völlig unterschiedlich?
Die Psychologie spricht in diesem Zusammenhang von Selbstwirksamkeit. Gemeint ist die Überzeugung, auch schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeit bleiben länger an anspruchsvollen Aufgaben dran, erholen sich schneller von Rückschlägen, erleben weniger Stress und handeln häufiger lösungsorientiert. Sie trauen sich eher zu, Herausforderungen anzunehmen, statt ihnen auszuweichen.
Selbstwirksamkeit bedeutet also nicht, dass der Arbeitsalltag leichter wird. Vielmehr verändert sie den Blick auf schwierige Situationen. Aus dem Gedanken „Das schaffe ich nie“ wird eher „Ich gehe Schritt für Schritt vor.“
Vier Dinge, die Selbstwirksamkeit stärken
Die Forschung zeigt, wodurch Selbstwirksamkeit entsteht. An erster Stelle stehen eigene Erfolgserlebnisse. Schon kleine Erfahrungen, wie ein souverän geführtes Patientengespräch oder ein gut organisierter Vormittag, zeigen: Ich kann schwierige Situationen meistern. Genau diese Erfahrungen gelten als der wichtigste Baustein für Selbstwirksamkeit.
Ebenso wichtig sind Vorbilder. Neue Mitarbeitende oder Auszubildende lernen nicht nur durch Anleitungen, sondern auch dadurch, wie erfahrene Kolleginnen mit hektischen Situationen umgehen. Zu sehen, dass andere ähnliche Herausforderungen bewältigen, stärkt auch das eigene Zutrauen.
Ein weiterer Faktor ist glaubwürdige Ermutigung. Ehrliches Feedback wie „Das hast du gut gelöst“ oder „Du machst Fortschritte“ kann Selbstwirksamkeit fördern. Entscheidend ist dabei, dass Lob konkret und nachvollziehbar ist.
Schließlich spielt auch die emotionale Stabilität eine Rolle. Wer Rückschläge einordnen kann und in belastenden Situationen einen kühlen Kopf bewahrt, entwickelt langfristig mehr psychische Widerstandskraft.
Selbstwirksamkeit – was ist das eigentlich?
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Selbsterkenntnis | „Ich weiß, wer ich bin.“ |
| Selbstakzeptanz | „Ich bin gut so, wie ich bin.“ |
| Selbstwert | „Ich bin wertvoll.“ |
| Selbstbewusstsein | „Ich kenne meine Stärken und Schwächen.“ |
| Selbstsicherheit | „Ich bin mir meiner sicher.“ |
| Selbstwirksamkeit | „Ich kann Probleme lösen.“ |
Quelle: karrierebibel.de
Weshalb Motivation allein nicht ausreicht
Interessant ist auch, wodurch Selbstwirksamkeit nicht entsteht. Motivation allein reicht nach den Erkenntnissen der Psychologie nicht aus. Erst eigene Erfahrungen vermitteln das Gefühl, tatsächlich etwas bewirken zu können. Ebenso können dauerhaft zu hohe Ziele das Gegenteil bewirken. Wer sich regelmäßig überfordert, erlebt häufiger Fehlschläge – und genau diese schwächen wiederum die Selbstwirksamkeit. Auch ständige Vergleiche mit anderen, etwa über soziale Medien, können das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten beeinträchtigen.
Mehr als eine persönliche Stärke
Selbstwirksamkeit ist deshalb nicht allein Sache jedes Einzelnen. Auch das Arbeitsumfeld spielt eine wichtige Rolle. Forschende empfehlen, Praxisleitungen stärker in präventive Maßnahmen einzubeziehen. Denn Wertschätzung, konstruktives Feedback und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, können dazu beitragen, dass aus Belastung keine dauerhafte Überforderung wird.
Stress wird sich im Praxisalltag nie ganz vermeiden lassen. Die Forschung macht jedoch deutlich: Entscheidend ist nicht nur, wie hoch die Belastung ist. Ebenso wichtig ist die Überzeugung, schwierige Situationen bewältigen zu können. Genau dafür steht der Satz: „Ich schaffe das.“
- zm online, Krankschreibungen wegen Stressdiagnosen nehmen zu
- Springer, Psychische Beanspruchung von Zahnmedizinischen Fachangestellten
- Verband medizinischer Fachberufe, praxisnah 1+2/19
- karrierebibel.de, Selbstwirksamkeit stärken: 10 erprobte Übungen & Workbook
