Kalte Hände und trotzdem gute Hygiene?

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Beata Luczkiewicz

Beim Händewaschen gehört warmes Wasser für viele ganz selbstverständlich dazu. Gerade in der Zahnarztpraxis. Doch ausgerechnet dort ist es aus hygienischer Sicht gar nicht notwendig. Das Robert Koch-Institut hat seine Empfehlung geändert. Und die hat einen überraschenden Nebeneffekt: Sie könnte nicht nur Energie sparen, sondern auch die Haut schonen.

Eiskalt erwischt: Für eine gute Händehygiene braucht es kein warmes Wasser.

Hände waschen, desinfizieren, Handschuhe an, Handschuhe aus, wieder desinfizieren: In der Zahnarztpraxis gehört die Händehygiene so selbstverständlich zum Arbeitstag wie Mundschutz und Instrumentenaufbereitung. Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied: Die entscheidende Einzelmaßnahme zur Infektionsprävention ist die Händedesinfektion. Und ausgerechnet beim Händewaschen gibt es jetzt etwas Neues.

Warm war gestern?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat seine Empfehlung für medizinische Handwaschplätze angepasst. Grund dafür sind die aktualisierten Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, kurz TRBA 250. Bislang war dort ein Zulauf für warmes und kaltes Wasser vorgesehen. Diese Formulierung wurde gestrichen. Gefordert wird nun lediglich fließendes Wasser in Trinkwasserqualität. Das RKI kommt deshalb zu dem klaren Ergebnis, dass warmes Wasser an medizinischen Handwaschplätzen nicht erforderlich ist.

Das klingt zunächst ungewohnt. Schließlich verbinden wir warmes Wasser intuitiv mit gründlicher Reinigung. Für die Entfernung von Krankheitserregern macht die Temperatur jedoch kaum einen Unterschied. Darauf weisen laut RKI unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sowie verschiedene Studien hin.

Entscheidender sind andere Faktoren:

  • Wie lange werden die Hände gewaschen?
  • Wie gründlich ist die Technik?
  • Welche Qualität hat das Wasser?
  • Und welches Handwaschpräparat wird verwendet?

Die Haut arbeitet schließlich mit

Für Praxisteams ist noch ein anderer Aspekt interessant. Wer im Arbeitsalltag ständig seine Hände wäscht und desinfiziert, weiß, wie schnell die Haut trocken und gereizt reagieren kann. Und gerade höhere Wassertemperaturen können die Haut zusätzlich belasten.

Das RKI weist darauf hin, dass die wiederholte Einwirkung von Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius zu Hautirritationen führen kann. Kühleres Wasser kann deshalb aus Sicht des Hautschutzes sogar Vorteile haben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass warmes Wasser aus der Praxis verschwinden muss. Die neue Regelung ist ausdrücklich kein Verbot. Praxen können weiterhin warmes Wasser anbieten. Sie haben künftig lediglich mehr Spielraum bei der Ausstattung ihrer Handwaschplätze.

Routine ist gut. Neues Wissen ist besser.

Wer auf die Warmwasserversorgung verzichtet, kann außerdem Energie sparen und damit die Ökobilanz der Praxis verbessern. Das RKI nennt noch einen weiteren möglichen Vorteil: Auch das Risiko einer Kontamination mit Legionellen lässt sich dadurch reduzieren.

Die neue Empfehlung zeigt auch: Im Praxisalltag lohnt es sich, selbst vertraute Routinen hin und wieder mit neuem Wissen abzugleichen. Denn gute Händehygiene hängt nicht davon ab, ob sich das Wasser angenehm warm anfühlt. Entscheidend ist, wann und wie die Hände gewaschen oder desinfiziert werden. Und manchmal ist kalt eben genauso gut.

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Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.


Email: kontakt@beata-luczkiewicz.de

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