
Die moderne Medizin begreift den menschlichen Körper zunehmend als vernetztes System, in dem die Mundhöhle weit mehr ist als nur die Pforte zur Nahrungsaufnahme. Aktuelle wissenschaftliche Evidenz untermauert eine hochrelevante, bidirektionale Beziehung zwischen der Parodontitis und dem Krankheitsgeschehen von COVID-19 sowie dessen Langzeitfolgen.
Beide Krankheitsbilder teilen eine zentrale pathophysiologische Gemeinsamkeit: eine systemische Überaktivierung des Immunsystems, die durch eine massive Freisetzung proinflammatorischer Zytokine geprägt ist.
Die biologische Verbindung zwischen Parodontitis und COVID-19
Die biologische Plausibilität hinter dieser Beobachtung ist bestechend: Schwere COVID-19-Verläufe resultieren oft aus einer Dysregulation des NLRP3-Inflammasoms und einer überschießenden Produktion von IL-6, IL-1β und TNF-α.⁴’⁵
Da die Parodontitis lokal und systemisch nahezu identische Zytokinprofile induziert, kann die bakterielle Translokation sowie der Einstrom von Lipopolysacchariden aus parodontalen Taschen das angeborene Immunsystem „priming”-artig voraktivieren. Die Schwelle für eine lebensbedrohliche Immunreaktion bei einer zusätzlichen viralen Infektion sinkt dadurch drastisch.⁶
Dass zudem SARS-CoV-2-RNA direkt im parodontalen Gewebe nachgewiesen wurde, unterstreicht die Rolle des Parodontiums als mögliches Virusreservoir.⁷
Die zentrale Rolle der Mundhöhle bei Long-COVID
Doch die Relevanz der oralen Gesundheit endet nicht mit der akuten Infektion. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Long-COVID – geprägt durch Fatigue, Dyspnoe und neurokognitive Einschränkungen – rückt die Mundhöhle als zentrales Puzzleteil der systemischen Genesung in den Fokus.
Betroffene Patientinnen und Patienten zeigen eine signifikante Veränderung ihrer oralen Mikrobiota, insbesondere eine Zunahme proinflammatorischer Taxa wie Prevotella und Veillonella.⁸ Diese orale Dysbiose korreliert unmittelbar mit der für Long-COVID typischen, persistierenden Immunaktivierung.
Ein fataler Kreislauf – und wie du ihn durchbrechen kannst
Hier droht ein fataler Kreislauf: Während die systemische Entzündung den Zahnhalteapparat schwächt, erschweren Long-COVID-assoziierte Symptome wie Mundtrockenheit (Xerostomie) und Schleimhautveränderungen die tägliche Mundhygiene. Die Mundhöhle agiert somit als „biologischer Verstärker”, der die systemische Entzündungslast kontinuierlich speist.
Erste explorative Vorarbeiten betonen daher, wie entscheidend eine stabile Parodontalhygiene für den nachhaltigen Rehabilitationsprozess und das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen ist.¹²
Parodontaltherapie senkt systemische Entzündungsmarker
Die gute Nachricht für die klinische Praxis: Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen. Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen, dass eine effektive Parodontaltherapie systemische Entzündungsmarker wie CRP und IL-6 signifikant senken kann.⁹⁻¹¹
Da diese Mediatoren die Schlüsselrolle in der Pathophysiologie von COVID-19 einnehmen, ist ein indirekter protektiver Effekt durch eine gezielte parodontale Sanierung klinisch hochgradig plausibel.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Mundgesundheit ist kein peripherer Aspekt der Zahnmedizin, sondern eine essenzielle Säule des interdisziplinären Managements von COVID-19 und Long-COVID. Eine konsequente parodontale Diagnostik und Therapie sollte daher als gezielte systemische Intervention verstanden werden. Sie bietet die Chance, die inflammatorische Kaskade zu unterbrechen, Risiken zu minimieren und die Genesung der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu unterstützen. Eine lückenlose parodontale Betreuung ist somit ein unverzichtbarer Baustein für die systemische Gesundheit in einer post-pandemischen Ära.
Die wissenschaftliche Evidenz macht deutlich:
Eine erfolgreiche Parodontaltherapie endet nicht mit der Behandlung, sondern setzt sich in der täglichen Mundhygiene und einer strukturierten Nachsorge fort. Gerade bei PatientInnen mit systemischer Belastung oder Long-COVID-assoziierten Beschwerden kommt der unterstützenden häuslichen Pflege eine besondere Bedeutung zu.

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Dieser Beitrag mit freundlicher Unterstützung von meridol entstanden.
Literatur:
- Marouf N, et al. Association between periodontitis and severity of COVID-19 infection. J Clin Periodontol. 2021.
- Gupta S, et al. Is periodontal disease a risk factor for severe COVID-19 infection? Oral Dis. 2022.
- Kamel A, et al. The impact of periodontitis on COVID-19 outcomes. Clin Oral Investig. 2021.
- Moore JB, June CH. Cytokine release syndrome in severe COVID-19. Science. 2020.
- Muñoz-Carrillo JL, et al. The cytokine storm in COVID-19. Int J Mol Sci. 2020.
- Qi Y, et al. Crosstalk between periodontal inflammation and systemic immunity. Front Immunol. 2021.
- Adam M, et al. Presence of SARS-CoV-2 in periodontal tissues. Br Dent J. 2021.
- Haran JP, et al. Alterations in the oral microbiome of COVID-19 and long COVID patients. JCI Insight. 2021.
- Luthra S, et al. Periodontal therapy and systemic inflammatory markers. J Periodontal Res. 2018.
- Paraskevas S, Hujoel P. Meta-analysis of periodontal treatment and CRP reduction. J Dent Res. 2008.
- D’Aiuto F, et al. Periodontal therapy and systemic inflammation. N Engl J Med. 2004.
- Wieberneit V. Parodontitis als Folge einer Long-COVID-19-Erkrankung und Erhöhung des Risikos für schwere COVID-19-Verläufe durch Parodontitis. Bachelorarbeit, Studiengang BBA_DH_22S, EU|FH Europäische Fachhochschule (heute CBS Köln); 2022.
