Zahnpflege beim Hund: überraschend nah an der Humanmedizin

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Beata Luczkiewicz

Zahnpflege beim Hund folgt erstaunlich ähnlichen Regeln wie in deiner Praxis: Biofilm, Gingivitis und Parodontitis sind auch bei Tieren an der Tagesordnung. Lies, welche Rolle antibakterielle Peptide spielen und wie die Zahnreinigung beim Hund abläuft.

Von Zahnstein bis Gingivitis: Die Zahnpflege beim Hund orientiert sich in vielen Bereichen an der Humanmedizin.

Wer täglich in einer Zahnarztpraxis arbeitet, weiß, dass gesunde Zähne sind weit mehr als eine Frage der Ästhetik sind. Entzündungen im Mundraum beeinflussen den gesamten Organismus – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Stoffwechselproblemen. Was für Menschen gilt, gilt auch erstaunlicherweise für Hunde. Genau deshalb lohnt sich für ZFA der Blick über den Tellerrand. Und zwar in die Tiermedizin.

Denn auch bei Hunden gehören Zahnbelag, Gingivitis und Parodontitis zu den häufigsten Gesundheitsproblemen überhaupt. Besonders kleine Rassen wie Chihuahua oder Yorkshire Terrier entwickeln oft schon früh deutliche Zahnprobleme. Studien zeigen zudem, dass parodontale Erkrankungen bei Hunden ebenso Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben können, etwa auf das Herz oder die Nieren.

Biofilm kennt keine Spezies

Für ZFA ist das ein spannender Vergleich: Während in der Humanmedizin Prophylaxe längst selbstverständlich ist, wird die Zahngesundheit von Tieren häufig noch unterschätzt. Dabei entstehen die Probleme auf ähnliche Weise wie beim Menschen – durch bakterielle Beläge und Biofilme, die Entzündungen auslösen.

Ein großer Unterschied liegt allerdings im Alltag: Hunde lassen sich nur selten begeistert die Zähne putzen. Tatsächlich putzen weniger als fünf Prozent der Hundehalter regelmäßig die Zähne ihres Tieres. Deshalb gewinnen alternative Konzepte zur täglichen Zahnpflege zunehmend an Bedeutung.

Die Rolle antibakterieller Peptide

Im Fokus stehen dabei sogenannte antibakterielle Peptide. Diese kleinen Eiweißmoleküle gehören zur natürlichen Abwehr im Speichel und hemmen die Vermehrung von Bakterien im Mundraum. Sie gelten als Teil der angeborenen Immunabwehr und spielen eine wichtige Rolle für die Mundgesundheit. Interessant ist, dass die Forschung beschreibt, dass solche Peptide nicht nur einzelne Bakterien beeinflussen, sondern auch Biofilme aufbrechen und die Neubildung von Plaque erschweren können.

Gerade ältere Hunde oder Tiere mit Vorerkrankungen profitieren offenbar von einer konsequenten Mundpflege. Mit zunehmendem Alter nimmt die Speichelproduktion ab, gleichzeitig steigt häufig das Risiko für Entzündungen im Maul. Da Narkosen bei herz- oder nierenerkrankten Tieren problematisch sein können, gewinnt die tägliche Prävention zusätzlich an Bedeutung.

Professionelle Zahnreinigung beim Hund

Hier zeigt sich eine besonders spannende Parallele zur Humanmedizin: Auch bei Hunden gibt es eine professionelle Zahnreinigung. Sie wird in der Tierarztpraxis durchgeführt, meist von spezialisierten Tierärzten oder Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA). Sie übernehmen in der Tierarztpraxis ähnliche Aufgaben wie ZFA in der Zahnarztpraxis oder MFA in der Arztpraxis. Der Ablauf ähnelt in vielen Punkten der professionellen Zahnreinigung beim Menschen. Zahnstein und Beläge werden mit Ultraschall entfernt, die Zähne gereinigt und poliert, Zahnfleischtaschen kontrolliert und häufig zusätzlich Dentalröntgenbilder angefertigt, um versteckte Entzündungen oder Schäden an Wurzeln und Knochen sichtbar zu machen. Gegebenenfalls müssen auch lockere oder entzündete Zähne entfernt werden.

Ein entscheidender Unterschied bleibt jedoch: Hunde müssen dafür in der Regel in Vollnarkose gelegt werden. Anders als Menschen können sie während der Behandlung nicht stillhalten oder den Mund gezielt offenhalten. Außerdem wäre eine gründliche Reinigung unter dem Zahnfleischrand ohne Narkose kaum möglich. Genau dort sitzen aber oft die entscheidenden Entzündungen.

Prävention als gemeinsamer Nenner

Besonders interessant für ZFA: Viele Prinzipien sind identisch mit der Humanzahnmedizin. Auch bei Hunden gilt, dass sichtbarer Zahnstein oft nur die Spitze des Eisbergs ist. Entscheidend ist die bakterielle Belastung unter dem Zahnfleischrand. Deshalb betonen Tierärzte ebenso die Kombination aus professioneller Behandlung und täglicher häuslicher Pflege.

Für ZFA ist das ein interessanter Perspektivwechsel: Ob Mensch oder Tier – bakterielle Prozesse im Mund betreffen immer den gesamten Organismus. Präventionsarbeit bekommt dadurch nochmal eine ganz andere Dimension.

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Beata Luczkiewicz

Freie Journalistin
Beata ist Fachautor für das Recall-Magazin und spezialisiert auf Themen rund um Praxismanagement, Patientenkommunikation und effiziente Abläufe in Zahnarztpraxen.
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Gesundheitsbereich liefert sie fundierte und praxisnahe Inhalte für Praxisteams.


Email: kontakt@beata-luczkiewicz.de

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