
Wie häufig das tatsächlich passiert, zeigt ein Blick nach Großbritannien: Dort verschwinden in Pflegeeinrichtungen jedes Jahr mehr als 10.000 Prothesen. Der finanzielle Schaden liegt bei über drei Millionen Pfund. Für Deutschland gibt es zwar keine offiziellen Zahlen, doch der Pflegealltag hierzulande lässt vermuten, dass auch hier viele Fälle unbemerkt bleiben.
Mehr als nur ein verlorener Gegenstand
Für pflegebedürftige Menschen ist eine Prothese jedoch weit mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand. Sie ist die Voraussetzung dafür, essen, sprechen und am sozialen Leben teilhaben zu können. Geht sie verloren, können viele Betroffene nicht einfach „auf Ersatz warten“. Häufig fällt das Kauen schwer, feste Nahrung wird gemieden, oft bleibt nur noch weiche oder pürierte Kost.
Auch die Sprache leidet. Wer ohne Zahnersatz nicht mehr deutlich sprechen kann, zieht sich zurück. Viele schämen sich oder vermeiden gemeinsame Mahlzeiten. Was bleibt, ist das Gefühl, ein Stück Normalität und Würde verloren zu haben.
Wenn der Alltag plötzlich kompliziert wird
Der Verlust betrifft nicht nur die Patienten selbst. Auch für Pflegekräfte bedeutet er zusätzlichen Aufwand: mehr Unterstützung beim Essen, besondere Rücksicht im Alltag und oft auch vermehrte Rückfragen von Angehörigen. Hinzu kommen organisatorische Hürden: So muss etwa eine neue Prothese geplant, finanziert und angefertigt werden – ein Prozess, der mehrere Wochen dauern kann. Für Menschen mit Demenz oder schweren Mehrfacherkrankungen ist diese Zeit besonders belastend, weil sie Veränderungen im Mundraum kaum einordnen oder kommunizieren können.
Kleine Maßnahme, große Wirkung: Kennzeichnung
Eine einfache Möglichkeit, Verluste zumindest abzufedern, ist die eindeutige Kennzeichnung von Prothesen. Schon bei der Herstellung oder bei Reparaturen können Name oder Initialen dauerhaft in den Zahnersatz eingearbeitet werden. Bewährt haben sich Lasergravuren oder kleine Namensplättchen, die fest in die Prothese eingebettet sind. Sie sind hygienisch, haltbar und gut lesbar.
Auch moderne Lösungen wie QR-Codes oder Chips werden inzwischen angeboten. Wichtig ist vor allem: Wird eine gekennzeichnete Prothese gefunden, kann sie schnell und sicher dem richtigen Menschen zugeordnet werden – statt im Abfall zu landen oder unauffindbar zu bleiben.
Zahnmedizin und Pflege im Dialog
Der richtige Umgang mit Zahnersatz ist jedoch nur ein Teil eines größeren Zusammenhangs, nämlich der Mundgesundheit pflegebedürftiger Menschen insgesamt. Der DNQP-Expertenstandard zur „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ betont ausdrücklich die enge Zusammenarbeit zwischen Pflege und Zahnmedizin. Denn viele Probleme entstehen nicht aus Unachtsamkeit, sondern aus fehlender Abstimmung, Zeitdruck oder Unsicherheiten im Alltag.
Genau hier setzen interprofessionelle Fortbildungsangebote an, die das Pflegefachpersonen, ZFA und Zahnärztinnen und Zahnärzte zusammenbringen. Ziel ist es, grundlegende pflegerische und zahnmedizinische Kenntnisse zur Mundhöhle, zu typischen Fragestellungen im Pflegealltag sowie zu relevanten Expertenstandards zu vermitteln. Ergänzt durch realistische Tipps für den Arbeitsalltag.
Was Praxen und Teams beitragen können
Zahnarztpraxen und Praxisteams spielen eine zentrale Rolle. Wer Patienten betreut, die in Pflegeeinrichtungen leben oder demnächst dorthin ziehen, kann das Thema aktiv ansprechen. Eine Kennzeichnung lässt sich unkompliziert in die Zusammenarbeit mit dem Dentallabor integrieren. Ebenso hilfreich ist der Austausch mit Pflegeeinrichtungen. Hinweise zum Umgang mit Zahnersatz, zur Aufbewahrung bei der Nachtpflege oder zu Reinigungsabläufen können Verluste deutlich reduzieren.
Fazit: Verlorene Zahnprothesen sind kein Randproblem. Sie beeinträchtigen die Ernährung, die Sprache, das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität der Betroffenen – und verursachen vermeidbare Kosten. Eine einfache Kennzeichnung und klare Abläufe im Pflegealltag können hier viel bewirken. Manchmal reicht ein kleiner technischer Schritt, um älteren Menschen ein großes Stück Sicherheit und Würde zu erhalten.
Quelle:
- Initiative proDente e.V. – Fakten unter Wenn Zahnprothesen in Pflegeeinrichtungen verloren gehen
- Deutsche Gesellschaft für Dentalhygieniker/Innen e.V.unter Fortbildungen | DGDH
