
Was tun, wenn ein Patient höflich nickt, und trotzdem nichts verstanden hat? Für ZFA gehört der Umgang mit unterschiedlichen Menschen längst zum Berufsalltag. Doch wie gelingt eine gute Verständigung, wenn Sprache, Kultur oder Vorstellungen von Gesundheit voneinander abweichen?
Genau dieser Frage widmet sich derzeit die Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Mit einer bundesweiten Umfrage untersucht sie die interkulturelle Kompetenz in der Zahnmedizin. Ziel ist es, eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten zu schaffen. Denn gute Kommunikation ist keine Nebensache, sondern ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Behandlung.
Interkulturelle Kompetenz einfach erklärt: Was bedeutet der Begriff genau?
Interkulturelle Kompetenz beschreibt die Fähigkeit, Menschen mit anderen kulturellen Prägungen respektvoll und rücksichtsvoll zu begegnen. Dazu gehört, Unterschiede wahrzunehmen, Besonderheiten zu berücksichtigen und andere Sichtweisen zu akzeptieren. Das hilft dabei, Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden und erleichtert die Zusammenarbeit, sowohl mit Patienten sowie im Team.
Dabei geht es längst nicht nur um unterschiedliche Nationalitäten. Nach einem modernen Kulturverständnis prägen auch Alter, Sozialisation, Bildung, Religion, politische Überzeugungen oder die persönliche Lebensgeschichte unser Denken und Handeln. Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen und Erwartungen mit – unabhängig davon, wo er geboren wurde.
Interkulturelle Kompetenz für ZFA: Warum sie im Praxisalltag so wichtig ist
Kulturelle Vielfalt gehört heute zum Alltag in den Zahnarztpraxen. Sprachbarrieren, unterschiedliche Vorstellungen von Gesundheit oder abweichende Erwartungen an die Behandlung können die Kommunikation erschweren. Oft beginnen Missverständnisse bereits bei kleinen Gesten oder unterschiedlichen Gesprächsgewohnheiten.
Für ZFA bedeutet das vor allem, aufmerksam zuzuhören, verständlich zu erklären und offen für andere Perspektiven zu sein. Wer sich nicht von Vorurteilen oder Stereotypen leiten lässt, sondern jedem Menschen unvoreingenommen begegnet, schafft Vertrauen. Das wirkt sich nicht nur positiv auf das Behandlungserlebnis aus, sondern erleichtert auch die Zusammenarbeit im gesamten Praxisteam. Studien zeigen zudem, dass Teams mit einem hohen Verständnis für andere Kulturen häufig kreativer und lösungsorientierter arbeiten.
Interkulturelle Kompetenz stärken: Eine Fähigkeit, die sich entwickeln lässt
Interkulturelle Kompetenz ist keine angeborene Eigenschaft. Sie entwickelt sich im Laufe des Lebens und lässt sich gezielt fördern. Fremdsprachen, Auslandserfahrungen oder Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft erweitern den eigenen Blickwinkel. Auch Workshops oder Fortbildungen können dabei helfen, andere Werte, Denkweisen und Kommunikationsstile besser zu verstehen.
Im Berufsalltag spielen dabei verschiedene Fähigkeiten zusammen. Offenheit und Empathie erleichtern den Perspektivwechsel. Kommunikationsfähigkeit hilft, Missverständnisse früh zu erkennen. Selbstreflexion unterstützt dabei, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Und Sprachkenntnisse und fachliches Wissen schaffen zusätzliche Sicherheit im Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen.
Fazit: Je vielfältiger die Gesellschaft wird, desto häufiger begegnen ZFA unterschiedlichen Erwartungen und Erfahrungen. Interkulturelle Kompetenz gehört deshalb immer mehr zu den Fähigkeiten, die den Praxisalltag prägen – oft ganz unspektakulär, aber mit großer Wirkung.
Mach mit bei der Studie zur interkulturellen Kompetenz
Die bundesweite Umfrage zur interkulturellen Kompetenz in der Zahnmedizin der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein wird mit einem wissenschaftlich validierten Fragebogen (CCCHP) durchgeführt, dauert etwa zehn Minuten und ist anonym und datenschutzkonform. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote in der Zahnmedizin gezielt weiterzuentwickeln.
